Mobiles Webradio

Vor rund zweieinhalb Jahren habe ich hier einen Beitrag über die Möglichkeit (fast) kostenlos mobil Webradio hören zu können veröffentlicht. Dieser Beitrag sorgt nach wie vor für viele Klicks auf meiner Seite. Die in dem Artikel beschriebene Kombination läuft übrigens immer noch (abgesehen von der Tatsache dass die Abdeckung auf der Rückseite meines alten Handys mitterweile nicht mehr richtig hält). Einzig und allein die damals beschriebene App Yourmuze gibt es nicht mehr, dieser Dienst wurde vor etwa einem Jahr über Nacht eingestellt.

Für einige Wochen hatte ich VLC für Android im Einsatz. Der Klang der Low Quality-Streams, auf die ich nach der Drosselung angewiesen bin, haben selbst mich nicht überzeugt. Da lebe ich eher mit Rauschen und Fading. Danach erhielt ich einen Hinweis auf PCRADIO. Ich habe zunächst die kostenfreie Version getestet, mich dann aber für die kostenpflichtige Variante entschieden.
Mobiles WebradioDie App ist leicht zu bedienen, Wünsche nach Einbindung nicht vorhandener Radiosender werden realtiv schnell umgesetzt (englischsprachige E-Mail reicht aus). Daher habe ich mich für ein weiteres Jahr mit PCRADIO entschieden:
PCRADIOспасибо, PCRADIO für viele Stunden Radiounterhaltung im Auto, auf dem Rad oder sonstwo an der frischen Luft!

Mobiles Webradio gratis

Im Zeitalter von Flatrates und großen Datenpaketen kommt diese Idee vielleicht etwas spät. Da ich mein Handy überwiegend nur sporadisch intensiv nutze, arbeite ich seit Jahren mit Prepaidkarten und möglichst geringe Fixkosten zu erreichen. Mein Handy ist – wenn ich es intensiver nutzen möchte – fast immer in einem W-LAN-Netz eingebucht, ich brauche also relativ kleine mobile Datenmengen. Die kleinste Option meines derzeitigen Anbieters reicht mir daher zzt. völlig aus. Möchte ich jedoch Webradio nutzen, kann das Paket schon mal schnell zu klein werden und ich müsste ein größeres Paket buchen bzw. werde gedrosselt. Beides doof.

Mittlerweile decke ich meinen Radiokonsum zu 85% mit Livestreams ab, der Rest geschieht über UKW und ein wenig DVB-S (wobei sich der Anteil in den nächsten Monaten vmtl. erhöhen wird). Ist zu Hause oder im Büro auch kein Problem. Und unterwegs? Ich Geizhals möchte dafür möglichst kein Geld ausgeben, das terrestrische Radio in Südest-Niedersachsen geht mir aber gewaltig auf den Senkel (abgesehen von Inforadios, Musik wird mir nur noch auf BFBS 1 geboten). Ein unlösbares Problem? Zum Glück nein. Und es ist unkomplizierter als so mancher Leser vielleicht denkt.

Eigentlich braucht man nur zwei Dinge:
1.) ein altes Smartphone (dürfte mittlerweile Jeder in einer Schublade liegen haben)
2.) eine entsprechende SIM-Karte.

Für Teil 1 habe ich mein altes Samsung Galaxy S2 wieder reaktiviert:

Samsung Galaxy S2Es weist zwar schon die eine oder andere Beschädigung auf, es soll aber funktionieren und nicht nur gut aussehen. Anfang des Jahres habe ich (nachdem mein aktuelles Handy problemlos lief) das S2 gerootet. Prinzipiell nur um die „Pflicht-Apps“ von Samsung loszuwerden, Rooten ist also keine Pflicht. Installiert habe ich nur wenige Apps, das Gerät synchronisiert mit keinem Mail-Account oder Kalender.

Die größere Herausforderung ist einen passenden Mobilfunkvertrag zu finden. Ein Vertrag schied für mich von Anfang an aus. Auf der Tarif-Suche bin ich u.a. über die „Simyo Freikarte“ und den „Sponsored Surf-Basic“-Tarif vom Netzclub gestolpert. Beide sind im E-Netz unterwegs (Dank des Roamings ist es eigentlich egal welches Netz man nutzt) und bieten 100 MB bei voller Bandbreite. Das Spannende passiert allerdings erst nach den 100MB: während man beim Netzclub auf 32 kBit/s gedrosselt wird, sind es bei Simyo 56  kBit/s. Also habe ich mich für Simyo entschieden.

Diese Kombination läuft übrigens seit einem halben Jahr ohne nennenswerte Probleme. Im Auto verbinde ich den Klinke-Ausgang des Telefons mit dem Klinke-Eingang meines Mediasystems, auf dem Rad nutze ich Kopfhörer (entsprechend leiste weil ich keinen Bock auf Überraschungen habe) und zu Hause koppel ich das Handy an einen Bluetooth-Lautsprecher (zu Hause nutze ich mal W-LAN, mal vergesse ich es einfach einzuschalten und nutze das E-Netz). Es gibt natürlich Funklöcher in denen ich dann keine Internetverbindung habe und der Audiostream abreißt, das passiert aber beim UKW-Empfang auch.

Zum Radiohören nutze ich die App Yourmuze.FM.

YourmuzeDiese App ist übersichtlich und schlank gestaltet (also keine Slideshows etc.). Im Gegensatz zu TuneIn, XiiaLive & Co. lässt sich bei Yourmuze die maximale Bitrate einstellen.

Yourmuze

100MB sind schnell verbraucht, ich wäre auf Streams mit max. 56 kBit/s angewiesen. Wie sowas klingt muss ich wohl niemandem erklären. Der ursprüngliche Stream wird von Yourmuze in AAC umgewandelt und klingt so auch beim kleinen Bitrates in der Drosselung gut. Durch diesen “Trick” verbrauche ich nur den AAC-Traffic. Klar, kein Hi-Fi, für unterwegs und nebenbei mehr als gut. Zusätzlich befinden sich die Entwickler und Macher dieser App nicht in Deutschland. Ich kann also auf Radiostationen aus der ganzen Welt zugreifen und muss mich nicht mit einer Vorauswahl à la Radioplayer zufrieden geben. Einige Schwachstellen hat die App natürlich auch: sie stürzt gelegentlich ab (vor allem wenn man durch ein Funkloch gefahren ist) oder sie reconnected nicht immer wenn ich wieder im Netz bin. Ich habe damit aber auch schon tagelang das Büro beschallt.

Fazit: mit einem kleinen Umweg lässt sich auch ohne teure Flatrates eine unheimlich große Vielfalt von Radiosendern auf die Ohren zaubern. Ich möchte diese Vielfalt nicht mehr missen – weder im Auto noch auf dem Rad oder auch inhouse wenn man mal keine Lust hat den AV-Receiver einzuschalten.

ma IP Audio 2015 II

Am Mittwoch wurden die neusten Einschaltquoten deutscher Webradios veröffentlicht. Da diese Umfrage noch relativ neu ist, steigt die Zahl erfassten Kanäle von Umfrage zu Umfrage. Im März wurden 227 Stationen erfasst, bei der aktuellen Umfrage 291. Im Gegensatz zur herkömmlichen Media-Analyse lassen sich bei der ma IP Audio die Hörgewohnheiten genau erfassen. Die durchschnittliche Hördauer liegt bei 65 Minuten (im März waren es 67). Hier wieder die Zahlen ohne die Themenkanäle der “grossen” Anbieter:

01. ANTENNE BAYERN (Simulcast): 8.667.761 (6.642.428 / + 30 %)
02. 1LIVE: 8.433.424 (6.067.856 / + 39 %)
03. laut.fm: 7.847.026 (7.852.609 / + 0 %)
04. SWR3: 5.183.510 (5.095.141 7 + 2%)
05. NDR2: 3.547.229 (3.508.939 / + 1%)
06. ROCK ANTENNE (Simulcast): 2.571.014 (2.039.826 / + 26%)
07. DLF: 2.447.676 (2.227.837 / + 10%)
08. bigFM: 2.249.210 (2.331.416 / – 4%)
09. FFH (Simulcast): 2.206.453 (1.870.168 / + 18%)
10. BAYERN 3: 2.185.610 (2.307.584 / – 5%)
11. Klassik Radio: 1.792.001 (1.736.827 / + 3%)
12. hr3: 1.666.849 (1.708.625 / -2%)
13. 1LIVE DIGGI: 1.576.824 (1.331.462 / + 18%)
14. SWR1 BW: 1.462.811 (1.618.692 / – 10%)
15. Bayern 1: 1.412.018 (1.404.362 / + 1%)
16. 104.6 RTL Berlins Hit-Radio: 1.298.213 (1.154.654 / + 12%)
17. planet radio (Simulcast): 1.253.728 (1.203.439 / 4 %)
18. radio ffn: 1.249.290 (1.256.016 / – 1%)
19. YOU FM: 1.177.528 (1.416.300 / – 17%)
20. hr1: 1.170.531 (1.943.617 / – 40%)
[Quelle: radioszene.de]

Hier sieht man deutlich, dass das Webradio mittlerweile zu einer festen Größe gerworden ist. “Herkömmliches” Radio wird etwa 4 Stunden täglich gehört (März 2015), Livestreams sind nicht mehr weit davon entfernt.

ma IP Audio 2014 IV

Diese Art der MA befindet sich ja bekanntlich noch im Aufbau, sie ist aber nicht unwichtig. Schließlich werden hier die Hörgewohnheiten der Webradio-Hörer untersucht. Heute Morgen hat die Die Arbeitsgemeinschaft Media-Analyse (agma) die Zahlen für das 3. Quartal 2014 veröffentlicht. Die Eckdaten vorab:

– eine durchschnittliche Webradiosession dauert 1 Stunde und 18 Minuten
– 35 Publisher mit insgesamt 210 Channels waren beteiligt

Die Top 10 ist allerdings vor dem Hintergrund der quasi unbegrenzten Möglichkeiten weniger überraschend:

1. 1LIVE: 6.594.904 (6.932.729 / -5%)
2. ANTENNE BAYERN: 4.906.359 (4.218.767 / +16%)
3. SWR3: 4.802.317 (4.786.566 / 0%)
4. NDR 2: 3.118.980 (-)
5. hr1: 1.619.661 (1.645.730 / -2%)
6. HIT RADIO FFH: 1.450.984 (1.424.212 / +2%)
7. YOU FM: 1.308.781 (1.343.767 / -3%)
8. 1LIVE DIGGI: 1.269.456 (1.505.125 / -16%)
9. SWR1 BW: 1.221.320 (-)
10. DASDING: 1.059.423 (1.235.749 / -14%)

Mehr Zahlen gibt es auf radioszene.de. Nicht berücksichtigt werden (wie bei der “grossen MA”) Sender aus dem Ausland bzw. Sender, die sich vorher nicht für diese Analyse anmelden.

ma 2014 IP Audio I

Anfang März hatte ich ja bereits erwähnt, dass neben der altbekannten Media-Analyse künftig auch Webradios in einer Art Media-Analyse erfasst werden sollen. Das Ganze nennt sich “ma IP Audio” und diese MA wurde nun zum ersten Mal durchgeführt. Während bei der regulären MA rund 330 Radiosender deutschlandweit erfasst werden, haben sich an der ma IP Audio rund 150 Kanäle beteiligt. Wenn man das mit der eigentlich viel größeren Auswahl an allein deutschen Webstationen vergleicht stellt man schnell fest, dass diese Umfrage noch lange nicht vollständig sein kann.

Berücksichtigt wurden bei dieser Umfrage Streamzugriffe via Apps, über Player an stationären PCs, Smart-TVs und Standalone-Geräten (W-LAN-Radios). Die durchschnittliche Hördauer lag laut der Analyse bei 1 Stunde und 18 Minuten (3 Stunden und 19 Minuten waren es bei der “normalen” MA), 4,6 Millionen Personen hören täglich Webradio (DAB-Freunde würden sich über diese Zahl freuen). Erfasst wurden in dieser Rangliste alle Kanäle eines Anbieters einzeln (viele Radiosender bieten ja Spartenkanäle an). Hier die Top 5 aus ma 2014 IP Audio I):

1. 1 LIVE (Simulcast)
2. Antenne Bayern (Simulcast)
3. 1 LIVE DIGGI
4. Hit Radio FFH (Simulcast)
5. Rock Antenne (Simulcast)

Die komplette Auswertung gibt es hier.

Interessant finde ich die Dominanz der Sender, die ihr Programm parallel zu UKW “nebenbei” via Livestream verbreiten (Simulcast). Gerade bei der Umfrage zur Nutzung des Mediums Internetadio bin ich davon ausgegangen, dass ehet Sender gehört werden, die man normalerweise nicht empfangen kann (andere [Bundes-] Länder, Spartenchannel etc.). Außerdem fehlen noch viele Sender in dieser Untersuchung (NDR, HR, SWR, BR, Energy etc.). Je mehr Sender sich künftig an dieser Analyse beteiligen desto mehr hat sie mit der Wirklichkeit zu tun.

Große Radioportale bieten eigene Rankings an. auf radio.de sind aktuell diese Sender an der Spitze:

1.) 1LIVE
2.) SWR3
3.) NDR 2
4.) Top 100 Station
5.) Antenne Bayern
6.) N-Joy
7.) WDR2
8.) Bayern 3
9.) 93,6 Jam FM
10.) 1LIVE diggi

Die aktuelle Top 10 bei phonostar:

1.) DLF
2.) SWR3
3.) D-Kultur
4.) 1LIVE
5.) Antenne Bayern
6.) MDR Figaro
7.) NDR 2
8.) RTL Radio
9.) SWR2
10.) WDR 5

Inwiefern diese Zahlen real sind, wissen wohl nur die Betreiber der Portale.