Digitalradio in Dänemark

Unsere nördlichen Nachbarn haben ihr Digitalradionetz zum Monatsanfang von komplett DAB auf DAB+ umgestellt, einige Stationen waren bereits im DAB+-Modus auf Sendung. Diese Umstellung wurde natürlich von einer Werbekampagne und dem Hinweis auf zusätzliche Radiosender begleitet.

Gleichzeitigt wurden einige Kanäle umgestellt, das öffentlich-rechtliche Danmarks Radio (DR) tauschte 12C gegen 8B in dem bisher viele landesweite Privatstationen zu empfangen waren. Durch die Umstellung von DAB auf DAB+ enstand Platz für weitere Radiostationen. Drei Neulinge sind bereits auf Sendung: Ekstra Bladet Radio, Radio Klassisk und der BBC World Service. Gleichzeitig wurden durch die Umstellung auf DAB+ schätzungsweise bis zu 400.000 Empfänger unbrauchbar (ältere Geräte die nicht DAB+-tauglich sind). Aktuell sieht der Belegung der großen Networks wie folgt aus:

8B DAB2 S
DR P1
DR P2
24syv
DR P3
DR P4 Esbjerg
DR P4 Midt&Vest
DR P4 Østjylland
DR P4 Syd
DR P4 Trekanten
DR P5
DR P6 Beat
DR P7 Mix
DR P8 Jazz

11C DAB2 OE
DR P1
DR P2
24syv
DR P3
DR P4 Bornholm
DR P4 Fyn
DR P4 København
DR P4 Sjælland
DR P4 Syd
DR P5
DR P6 Beat
DR P7 Mix
DR P8 Jazz

12C: DK DAB1
BBC WorldService
The Voice
myROCK
NOVA
Pop FM
Radio Soft
Radio 100
Radio Klassisk
Ekstra Bladet

13B: DAB2 N
24syv
DR P4 Midt&Vest
DRP4 Nordjylland
DRP4 Østjylland
DR P4 Trekanten
NOVA
Radio Soft
Pop FM
The Voice
Radio 100
myROCK

Hinzu kommen noch Lokalpakete. Eine ständig aktualisierte Aufstellung aller Digitalradiopakete und deren technischer Details (Senderstandorte, Sendeleistungen etc.) gibt es auf ukwtv.de.

DR P3 ab 2011 nur noch via DAB?

Im Januar diesen Jahres gab es Meldungen über eine für das Jahr 2014 bevorstehende Abschaltung des guten alten UKW-Bandes in Sachsen. Nach dem Artikel kehrte wieder Ruhe ein und das Thema verschwand in der Versenkung. Nun gibt es ähnliche Pläne in Dänemark. Wie radio.nl berichtet, möchte die dänische Partei „Venstre“ einen harten Weg gehen: Sie möchte das populäre öffentlich-rechtliche Rockpop-Programm DR P3 im Jahr 2011 aus dem UKW-Band werfen und nur noch via DAB (Digitalradio) verbreiten. DR P2 soll 2013 und DR P4 2014 folgen, 2016 soll UKW dann komplett abgeschaltet werden. So möchte die Partei die dänischen Radiohörer zum Umstieg von der alten Analogtechnik auf das Digitalradio zwingen.

Eigentlich war für Dänemark eine Neueinteilung des UKW-Bands geplant. Diese wurde allerdings im Juni 2009 von der dänischen Regierung gekippt, weil man sich stärker auf neue Medien wie DAB und Internetradio konzentrieren möchte. So lange aber der Lieblingssender weiterhin auf UKW sendet, kaufe ich mir kein neues Radio. Das dürfte übrigens auch einer der Gründe sein, warum DAB in Deutschland nicht funktioniert. Also möchte „Venstre“ Schritt für Schritt die öffentlich-rechtlichen Sender im UKW-Band abschalten. Ein weiterer Grund für die Partei ist das vergrösserte Programmangebot für den Hörer. Aktuell erreichen die öffentlich-rechtlichen Programme P1 bis P4 sowie der Privatsender Nova FM eine landesweite Versorgung. Andere Privatsender (Radio100FM, Radio Globus Guld, Skala FM etc.) müssen sich mit leistungsschwachen Frequenzen und regional begrenzten Sendegebieten zufrieden geben. Nach den Plänen von „Venstre“ sollen ab 2016 neun öffentlich-rechtliche und neun private Rundfunkprogramme in ganz Dänemark über DAB verbreitet werden.

DR P3UKW-Kette von DR P3

Die Digitalisierungspläne von „Venstre“ werden derzeit von vielen Seiten kritisiert. Durch eine Abschaltung des UKW-Bandes werden etwa 20 Millionen Radiogeräte in Dänemark wertlos. Und auch die dänische Musikindustrie läuft Sturm gegen diese Pläne. Durch eine Verbannung von DR P3 auf DAB hätten es dänische Bands und Künstler schwerer bekannt zu werden (DR P3 hat relativ viel unbekannte Musik im Programm). So einfach wird die „Zwangsdigitalisierung“ also nicht durchzudrücken sein.

Ich persönlich finde eine Zwangsdigitalisierung allerdings gut. Schliesslich hat die Umstellung beim Fernsehen von analog auf DVB-T auch geklappt. Analog aus, digital an und gut is. So eine Umstellung müsste dann aber von der Regierung angeordnet werden. Ansonsten freut sich der Privatfunker von Nebenan über das Verschwinden des öffentlich-rechtlichen Platzhirsches und kann so plötzlich ganz neue Hörerkreise erschliessen. Da Rundfunk in Deutschland immer noch Ländersache ist und fast jedes Bundesland ein eigenes DAB-Süppchen kocht, wird es vermutlich noch lange analogen Rundfunk bei uns geben. Damit ist Deutschland mal wieder ganz weit hinten im europäischen Vergleich.