Schneechaos in Osnabrück

Mehr als 30 Zentimeter Neuschnee in wenigen Stunden. Das war das Resultat eines langsam ziehenden Schneetiefs vor 15 Jahren. Dadurch gab es Verkehrschaos, Stromausfälle und viele Haushalte in Nachbarkreisen, die tagelang ohne Elektrizität ausharren mussten.

Trotz dieser Nebenwirkungen war das Ganze beeindruckend (schön). Hier ein paar Fotos aus dem November 2005:
Und hier noch ein paar Worte zum plötzlichen Wintereinbruch.

Der Tag danach

Die Schnee-Situation in und um Osnabrück hat sich beruhigt. Heute Mittag gab es Temperaturen über 0°C, der Schnee taut und fällt von den zum Teil noch dick bedeckten Bäumen.

Wintereinbruch

Unser Sendestudio ist nach dem jetzigen Stand der Dinge ohne Schaden davongekommen. Wir hatten gestern zunächst ein Problem mit einem Rechner der nicht mehr hochfahren wollte (daher wurde auch ein Webcambild nicht aktualisiert). Daniel Uhlenhaut hat heute aber einfach eine Windows-CD eingelegt und gesagt „Ey Du machen Windows heile“. Das hat glücklicherweise funktioniert. Hier die schöne Seite des Winters (ja, heute Nachmittag gab es für eine knappe Stunde Sonnenschein):

WintereinbruchWintereinbruch
Wintereinbruch
Wintereinbruch
Wintereinbruch

Etwas weniger Glück haben die Einwohner des nordwestlichen Münsterlandes. Dort sind immer noch viele Orte, Gemeinden und Siedlungen ohne Strom.

Die Energieversorger arbeiten zwar mit Hochdruck an der Wiederherstellung der Stromversorgung, die widrigen Witterungsumstände (zugefrorene Wege, umgestürzte Bäume) bremsen dieses Vorhaben aber immer wieder aus. Daher gilt für die Kreise Steinfurt und Borken derzeit Katastrophenalarm. Experten sprechen vom „schlimmsten Stromausfall in Deutschland“.

Aber nicht nur im Münsterland gab bzw gibt es chaotische Zustände. In und um die niederländische Gemeinde

Haaksbergen sassen viele Einwohner lange ohne Storm, auch jetzt gibt es dort noch Probleme. Am Freitagabend erlebten die Niederländer die „schlimmste Rush-Hour in der Geschichte“. Normalerweise stauen sich abends die Fahrzeuge auf den Autobahnen auf eine Gesamtlänge von knapp 300km. Am vergangenen Freitag waren es 900! Auch in Grossbritannien, Frankreich und weiteren Ländern gab es Probleme durch den plötzlichen Wintereinbruch.

Wir sind – so scheint es zumindest – mit einem blauen Auge davongekommen zu sein. Wie das Ganze tatsächlich aussieht, wissen wir wahrscheinlich erst nachdem der Schnee geschmolzen ist (für die zweite Wochenhälfte werden höhere Temperaturen vorhergesagt) bzw morgen wenn auf den Arbeitsstellen die Computer nicht mehr auf die zerschossenen Server zugreifen können. Die RWE hat zumindestens mitgeteilt, dass sie für die Stromausfälle und die dadurch entstandenen Schäden nicht haftbar gemacht werden kann (höhere Gewalt).

Osnabrück versinkt im Schneechaos

Diese und ähnliche Schlagzeilen toppen derzeit die Nachrichten- und Agenturseiten. Und es hat uns in der Region Osnabrück wirklich mit voller Breitseite erwischt. Zig Zentimeter Schnee, eisbedeckte Stromleitungen die durch heftige Windböen ins Schwingen gerieten und sich zum Teil berührten. Dadurch fiel der Strom in und um Osnabrück aus. Spannungsschwankungen gab es schon den ganzen Freitag, welche Auswirkungen das Ganze für teutoRADIO hatte, habe ich bereits gestern erwähnt. Seite heute Vormittag läuft unser Programm wieder ganz normal.

Richtig heftig hat es die Autofahrer und die Nutzer von Bus und Bahn erwischt. Ich selbst habe z.B. für den Rückweg von der UFA-Passage 90 anstatt 25 Minuten benötigt (und war damit recht gut bedient). Viele mussten auf den Autobahnen im Großraum Osnabrück und den Nachbarkreisen übernachten, auf dem Osnabrücker Hauptbahnhof strandeten ebenfalls viele Bahnreisende, die dann in Notunterkünften übernachtet haben. Umgestürzte Bäume hatten den Zugverkehr zum Erliegen gebracht. Und auch jetzt noch drohen viel Bäume und Baumkronen unter der Schneelast umzustürzen, den Waldspaziergang werde ich mir morgen ersparen.

Nicht nur in Osnabrück sondern auch in den benachbarten Kreisen Steinfurt und Emsland gab es Probleme mit der Stromversorgung. Hier waren Haushalte teilweise stundenlang ohne Strom, über so kurze Ausfälle wie in Osnabrück können die Betroffenen wohl nur Schmunzeln. Hier ein paar winterliche Eindrücke aus den letzten 24 Stunden:

SchneechaosEin schneebedecktes Treppengländer
Schneechaos
Und hier ein Geländer an einer Terasse. Den Schnee oben auf dem Handläufer habe ich nicht extra für dieses Foto aufgestapelt
Schneechaos
Rien ne vas plus – Dieser Wagen hat sich festgefahren…
Schneechaos
… und musste freigeschaufelt werden
Schneechaos
Nur mit etwas Fantasie erkennt man hier einen Golf IV
Schneechaos
Am Morgen danach: die neue Kopfbedeckung eines Regenmessers
Schneechaos
Auch hier wurde der Schnee nicht für das Foto aufgestapelt, er war so hoch
Schneechaos
Zahlreiche Strassen mussten aufgrund herumliegender Bäume/Äste gesperrt werden (und bleiben auch sicher in den nächsten Tagen gesperrt)
Schneechaos
Schneechaos
Schneechaos
Viele Äste biegen sich unter der Last des schweren Schnees
Schneechaos
Eine ganz normal verschneite Strasse
Schneechaos
Hier das gleiche Bild nochmal, man kann hier sehr schön erkennen wie sich der Schnee im Zaun festgesetzt hat
Schneechaos
Schneechaos
Schneechaos
Für einige Lebewesen war die weisses Zeug jedoch komplett neu und unheimlich interessant…
Schneechaos
… auch wenn dabei manche Erkundungstour in einer Sackgasse endet
Schneechaos
Hier das offizielle Endergebnis (an einer relativ geschützten Stelle)

Warum waren die Schneefälle so heftig? Auf der Homepage der heute-Nachrichten wird das Phänomen erklärt:

Flaute in fünf Kilometern Höhe löst Schneechaos aus
Eine fehlende Luftströmung in fünf Kilometern Höhe hat das Schneechaos ausgelöst. Dadurch sei das Tief “Thorsten” nur sehr langsam weitergezogen, so der Deutsche Wetterdienst. “Die Wolken haben den Schnee deshalb immer wieder auf einen schmalen Streifen geworfen.”

Die Höhenströmung mache derzeit einen großen Bogen um das mitteleuropäische Festland. Herbstliche Stürme zögen von Grönland, Spanien, Mittelmeer, Schwarzmeer nach Russland. Tiefausläufern in unteren Luftschichten fehle deshalb der Antrieb. “So eine Wetterlage kommt nicht alle Jahre vor”, sagte Engel.

Der Meteorologe erwartet, dass “Thorsten” weiterhin nur langsam voran kommt. Entwarnung gebe es daher nicht. Im Münsterland, aber auch im Rheinland bis zur Eifel werde weiterhin viel Schnee fallen.

Es ist trotzdem schon sehr verwunderlich, welches Chaos ein paar Zentimeter Schnee anrichten können. Und ich bin gespannt wie sich die Situation in den nächsten Stunden und Tagen entwickelt…