Härtefallfonds

Die Stromausfälle im Münsterland waren gestern Abend Thema bei Spiegel TV. Dort wurde eine RWE-interne Studie vorgestellt, die 2003 im Konzern vorgestellt wurde. Diesem Papier zufolge sind rund 60% aller Hochspannungsmasten im RWE-Gebiet durch einen Materialfehler möglicherweise akut einsturzgefährdet, viele Masten würden selbst 40% der eigentlich vorgesehenen Belastung nicht standhalten. In diesem Papier wird sogar von einem „Worst Case-Szenario“ gesprochen. Bei extremen Wetterlagen könne es durch die Materialfehler zu „flächenhaften Mastumbrüchen“ kommen. Und genau das ist vor anderthalb Wochen passiert. In dieser Studie werden sogar andere Fälle einkalkuliert: Was geschieht beispielsweise mit jemandem der unter einem einstürzenden Strommast spazieren geht? Die RWE-Ingenieure schätzen das Risiko einer Tötung durch einen Hochspannungsmast auf 10%, kann also nicht so schlimm sein. Trotzdem möchte ich nicht zu diesen 10% gehören. Weitere Auszüge aus dieser Studie gibt es auf der Website von Spiegel TV.

Interessant scheint auch zu werden wie das Geld aus dem „Härtfallfonds“ verteilt wird. Der Energiekonzern RW stellt ja bekanntlich 5 Millionen Euro zur Verfügung, mit denen Betroffene entschädigt werden können/sollen. Defekte Kühlschränke und Tiefkühltruhen sowie verdorbene Lebensmittel werden jedenfalls nicht ersetzt, es muss eine „existenzbedrohende Situation“ vorliegen. Und eine solche Formulierung ist – wie immer – schön dehnbar. Alle Betroffenen müssen jeweils schriftliche Anträge einreichen. Absehbar ist aber wohl dass nur grosse Firmen (die unter dem Strich natürlich auch grössere Schäden haben) auf etwas Entschädigung hoffen können. Wie es hingegen mit Privathaushalten und -personen aussieht bleibt abzuwarten…

RWE: Härtefallfonds

Kurz zurück ins Münsterland: In der nächsten Woche beginnt die RWE mit den ersten Auszahlungen aus dem vor ein paar Tagen gegründeten „Härtefallfonds”. Geschädigte müssen ihre Entschädigungsanträge gegenüber dem Energiekonzern plausibel begründen. Ein sechsköpfiges Gremium entscheidet dann wer Geld bekommt und wer nicht. Dieses Gremium besteht aus zwei Vertretern der Bezirksregierung Münster, zwei Vertretern von RWE und je einem Vertreter aus den Kreisen Borken und Steinfurt. Wir erinnern uns noch mal kurz an die Grösse des Fonds (5 Millionen Euro) und vergleichen diese mit dem was derzeit schon halbwegs überschaubar ist (mehr als 100 Millionen an Produktionsausfall, 25 Millionen Euro Schaden der vom Handwerk geltend gemacht wird plus Landwirtschaftsbetriebe und zigtausende Privathaushalte in denen sicher auch Einiges beschädigt wurde). To Be Continued.

Derzeit laufen übrigens Beweissicherungsverfahren gegen die RWE. Dadurch sollen beschädigte Masten vor der Verschrottung beschützt werden um später nachvollziehen zu können ob eventuell Rostspuren oder Materialermüdung vorhanden war/ist. Der Energiekonzern nimmt auf seiner Website übrigens Stellung zu der immer lauter werdenden Kritik, laut Homepage des WDR gibt es immer noch hunderte Haushalte, die mit Notstromaggregaten versorgt werden müssen. In den nächsten Tagen soll die reguläre Stromversorgung aber wieder funktionieren.

Nun also doch

Der Energiekonzern RWE richtet einen 5 Millionen Euro grossen „Härtefallfonds“ ein. Nach Auskunft des WDR beteiligt sich der Stromkonzern mit diesem Geld an der Schadensregulierung im Münsterland. Diese Summe klingt zwar riesig, ist aber im Vergleich zur vorläufigen Schadensbilanz verschwindend gering. So schätzen die Unternehmer im Münsterland ihren Schaden auf mindestens 100 Millionen Euro, die RWE schätzt ihren eigenen Schaden auf einen zweistelligen Millionenbetrag. Auf der RWE-Website wird der grossflächige Stromausfall wie folgt beschrieben:

Das in der Nacht zum letzten Freitag von den Niederlanden und Belgien über Nordrhein-Westfalen hinweggezogene Tief „Thorsten“ hatte große Mengen nassen Schnees, Temperaturen um den Gefrierpunkt und Windböen der Stärke 8 mit sich geführt. Diese Wetterbedingungen ließen Freileitungen und Hochspannungsmasten teilweise bis zu 15 Zentimeter dick vereisen. Betroffen waren 110-kV-Hochspannungsleitungen sowie Mittelspannungsleitungen. Diese hatten ein bis zu achtfach höheres Gewicht zu tragen als dies nach DIN 210 notwendig gewesen wäre.

Eine gute Nachricht gibt es an diesem Tag auch noch: Die Stromversorgung ist mittlerweile wieder hergestellt. Auch das gestern noch durch Notstromaggregate versorgte Ochtrup wird mittlerweile wieder durch Hochspannungsnetz versorgt.

Schneechaos – war was?

Schon erstaunlich wie schnell ein Top-Thema aus den Nachrichten in eine untergeordnete Rolle schlüpfen kann. In den letzten Tagen überschlugen sich die hiesigen Radio- und TV-Sender mit Berichten über die Stromausfälle im westlichen Münsterland und die damit verbundenen Folgen. Hört man heute Nachrichten dreht sich alles um die im Irak entführte Susanne Osthoff (verständlich), um die Angleichung des ALG II (auch noch nachvollziehbar) und um den eventuellen Umzug der Bahn von Hamburg nach Berlin (“Saure Gurken-Zeit” oder was?). Das Winterchaos in den Kreisen Steinfurt und Borken wird beinahe nur beiläufig erwähnt. Die Lage hat sich auch entspannt, nach Angaben des WDR sind knapp 2.000 Menschen weiterhin ohne Strom. Selbst Ochtrup wird mittlerweile wieder mit Strom versorgt (abgesehen von Randgebieten). Hier wird der Strom allerdings von Notstromaggregaten erzeugt, die Bürger dort werden gebeten alle unnötigen Stromverbraucher vom Netz zu nehmen bis die beschädigten Leitungen wieder repariert/ersetzt sind.

Nachdem sich nun alles wieder step by step normalisiert, werden Schadensersatzforderungen laut und man versucht zu beziffern welche finanziellen Auswirkungen dieser Blackout hatte. Und die Fragen wie so etwas passieren konnte werden immer lauter. So möchte die Bundesnetzagentur nun detailliert von der RWE wissen warum es zu dem grössten Stromausfall nach dem 2. Weltkrieg kommen konnte. Die Essener Konzernzentrale beruft sich bisher auf „höhere Gewalt“ und möchte mit den Schäden nichts zu tun haben (trotz der Rekordgewinne die jährlich eingefahren werden – ob die nicht evtl. irgendwo gefehlt haben?). Ich werde die Diskussionen weiter beobachten.

Interessant ist in diesem Zusammenhang eine Diskussion bei unseren niederländischen Nachbarn. Auch dort gab es am vergangenen Wochenende Blackouts. Nun fordern Regierungsmitglieder ein Gesetz welches die Energieanbieter verpflichtet bei einem Stromausfall innerhalb von 24 Stunden für die Wiederherstellung der Versorgung zu sorgen. Dadurch würden die Anbieter wahrscheinlich mehr auf die Netze achten, Ringleitungen aufbauen, Notstromaggregate an sensiblen Punkten aufstellen oder ähnliches. Diese Idee finde ich vom Ansatz her nicht schlecht, ob sie so einfach realisierbar ist steht natürlich auf einem anderen Blatt. Aber auch diese Sache werde ich weiter beobachten.

Dunkles Münsterland

Die stromlose Winterodysse im Münsterland geht weiter. Zunächst sah es so aus als würden die RWE-Techniker alles in den Griff bekommen. Doch dann setzte (Eis-)Regen ein. Daher musste die Stromversorgung in den Bereichen Borghorst, Steinfurt und Metelen wieder unterbrochen werden. Knapp 90.000 Menschen sind derzeit immer noch oder schon wieder ohne Strom. Der Katastrophenalarm für die Kreise Steinfurt und Borken gilt immer noch, im Kreis Coesfeld wurde er aufgehoben. Wie lange die Stromausfälle und die Katastrophenalarme noch andauern ist derzeit noch nicht absehbar.

Interessant dürfte nun ausserdem das Thema „Entschädigung“ werden. Die RWE hat ja bereits angekündigt NICHT für durch Stromausfälle entstandene Schäden haften zu wollen („höhere Gewalt). Etwas anders wird das Ganze in den Niederlanden behandelt. Die Gemeinde Haaksbergen hat seit 5.00 Uhr heute Morgen wieder Strom. Im niederländischen Radio 1 wurde heute Morgen eine Sprecherin des Energieversorgers Essent zu diesem Thema befragt. Nach ihren Worten hat jeder Betroffene Anspruch auf € 35,- (ha ha), alles andere müsste auf dem Rechtsweg geklärt werden. Ausgeschlossen von dieser Regelung sind Firmen. Im berühmten Kleingedruckten weist Essent darauf hin, dass sich die Firmen möglichst selbst mit Notstromaggregaten gegen solche Ausfälle absichern müssen… doch wer liest schon das Kleingedruckte?

Noch eine kurze Bestandsaufnahme für meinen Dunstkreis: Die Hauptstrassen von, nach und in Osnabrück sind mittlerweile wieder befahrbar, die Temperaturen knapp über 0°C sorgen für Tauwetter. Es hat aber doch eine ganze Menge Bäume und Äste hier in der Region erwischt, ich möchte nicht wissen wie viele Nebenstrassen nach wie vor gesperrt und wie viele Gartenzäune, Dächer oder parkende Autos beschädigt wurden.

Glaubt man dem Deutschen Wetterdienst regnet es morgen im Nordwesten bei bis zu 5°C, in der Nacht zum Mittwoch sinken die Werte auf 2°C. Und auch am Mittwoch soll es im Nordwesten weiterregnen bei ähnlichen Temperaturen, am Donnerstag bleibt es trocken.

Der Tag danach

Die Schnee-Situation in und um Osnabrück hat sich beruhigt. Heute Mittag gab es Temperaturen über 0°C, der Schnee taut und fällt von den zum Teil noch dick bedeckten Bäumen.

Wintereinbruch

Unser Sendestudio ist nach dem jetzigen Stand der Dinge ohne Schaden davongekommen. Wir hatten gestern zunächst ein Problem mit einem Rechner der nicht mehr hochfahren wollte (daher wurde auch ein Webcambild nicht aktualisiert). Daniel Uhlenhaut hat heute aber einfach eine Windows-CD eingelegt und gesagt „Ey Du machen Windows heile“. Das hat glücklicherweise funktioniert. Hier die schöne Seite des Winters (ja, heute Nachmittag gab es für eine knappe Stunde Sonnenschein):

WintereinbruchWintereinbruch
Wintereinbruch
Wintereinbruch
Wintereinbruch

Etwas weniger Glück haben die Einwohner des nordwestlichen Münsterlandes. Dort sind immer noch viele Orte, Gemeinden und Siedlungen ohne Strom.

Die Energieversorger arbeiten zwar mit Hochdruck an der Wiederherstellung der Stromversorgung, die widrigen Witterungsumstände (zugefrorene Wege, umgestürzte Bäume) bremsen dieses Vorhaben aber immer wieder aus. Daher gilt für die Kreise Steinfurt und Borken derzeit Katastrophenalarm. Experten sprechen vom „schlimmsten Stromausfall in Deutschland“.

Aber nicht nur im Münsterland gab bzw gibt es chaotische Zustände. In und um die niederländische Gemeinde

Haaksbergen sassen viele Einwohner lange ohne Storm, auch jetzt gibt es dort noch Probleme. Am Freitagabend erlebten die Niederländer die „schlimmste Rush-Hour in der Geschichte“. Normalerweise stauen sich abends die Fahrzeuge auf den Autobahnen auf eine Gesamtlänge von knapp 300km. Am vergangenen Freitag waren es 900! Auch in Grossbritannien, Frankreich und weiteren Ländern gab es Probleme durch den plötzlichen Wintereinbruch.

Wir sind – so scheint es zumindest – mit einem blauen Auge davongekommen zu sein. Wie das Ganze tatsächlich aussieht, wissen wir wahrscheinlich erst nachdem der Schnee geschmolzen ist (für die zweite Wochenhälfte werden höhere Temperaturen vorhergesagt) bzw morgen wenn auf den Arbeitsstellen die Computer nicht mehr auf die zerschossenen Server zugreifen können. Die RWE hat zumindestens mitgeteilt, dass sie für die Stromausfälle und die dadurch entstandenen Schäden nicht haftbar gemacht werden kann (höhere Gewalt).