Digitalradio in Niedersachsen

Seit einigen Tagen laufen in Sachen “Digitalradio in Niedersachsen” die Gemüter heiss. In vielen DAB-Befürworter-Gruppen werden die allerschlimmsten Szenarien an die Wand gemalt. Ist es wirklich so schlimm? Dieser Beitrag hilft vielleich ein paar Fakten zu transportieren.
Ist-Situation
Für diejenigen, die von Niedersachen bishher nur im Halbschlaf in der Schule gehört haben: in Niedersachsen gibt es den Norddeutschen Rundfunk mit seinen fünf Programmen. Bei NDR1-3 ist eine UKW-Vollversorgung gegeben, NDR4 (NDR Info) und NDR5 (N-Joy) müssen sich teilweise mit lückenhaften UKW-Ketten abfinden. Dazu gibt es noch ffn (Sendestart Ende 1986), Antenne Niedersachsen (Sendestart Mai 1990) und Radio 21 (Sendestart 2000). Seit Ende 2013 gibt es in einigen Regionen zusätzlich kommerziellen Lokalfunk. Last But Not Least sind seit den 1990ern nichtkommerzielle Lokalsender (NKLs) auf Sendung. Der NDR arbeitet langsam aber konsequent an der Aufschaltung seiner Programme auf DAB+, die Privaten haben offensichtlich kein Interesse daran in Niedersachsen eine DAB+-Struktur aufzubauen. Bei ffn und Antenne Niedersachsen ist es prinzipiell nicht erforderlich, beide verfügen jewels über ein leistungsstarkes UKW-Netz mit dem sie Niedersachsen technisch erreichen. Radio 21 arbeitet derzeit mit vergleichweise leistungsschwachen Sendern in Ballungsräumenn, viele dieser Sender sind nicht/schlecht synchronisiert und mobil kein Hörgenuß. Die NLKs und vor allem die kommerziellen Privatsender begnügen sich mit Resten und Lücken.
Antrag im Landtag
Alles in allem ist die Radiolandschaft in Niedersachen langweilig. Funktionierendes mobiles Internet für das Radiohören unterwegs wäre eine Idee dem gefühlt gleicheschaltetem Radio zu entkommen. Und genau das möchte die FDP Landtag mit ihrem “Antrag für eine digitale Radiozukunft” auf die Reise bringen. Dort fordert die Fraktion das Landeparlament zu folgenden Schritten auf:

1. sich konsequent zusammen mit dem Bund, anderen Ländern sowie den privaten und öffentlich-rechtlichen Sendern für einen marktgerechten Übergang in eine digitale Radiozukunft einzusetzen und ein klares, abgestimmtes Konzept zu erarbeiten
2. sich gegen ein UKW-Abschaltdatum auszusprechen
3. die Förderung der Verbreitung von DAB+ durch den Rundfunkbeitrag zu beenden
4. die Radiointeroperabilität technologieneutral auszugestalten
5. den Ausbau von schnellem Internet in der Fläche so voranzutreiben, dass auch die Nutzung von Radio via Internet rasch flächendeckend die Realität in Niedersachsen wird. Zur Partizipation des Hörfunks an 5G müssen die für die Radioverbreitung über 5G notwendigen Frequenzspektren dem Rundfunk zur Verfügung gestellt werden
6. die lokale, regionale und landesweite Radiovielfalt durch Zugang und Auffindbarkeit auf Plattformen sicherzustellen

Hier gibt es einen Videomitschnitt der Aussprache zu diesem Thema. Wer keine Lust auf diese Diskussion hat, kann hier die wichtgsten Statements nachlesen hat hier die Möglichkeit die rudimentären Standpunkte nachzulesen:

Stefan Birkner, (Jahrgang 1973), FDP
– Radio digital über Internet
– kein UKW-Abschaltdatum, Weiternutzung da bewährt
– 92% der Hörer empfangen ihre Programme über UKW
– DAB(+) hat sich seit 20 Jahren nicht bewährt
– Verabschiedung der Förderung von DAB+ über die Rundfunkbeiträge da teure und nicht zielführende Übergangstechnologie
– digitaler Radioempfang erfolgt derzeit über Smartphones und Smartspeaker
– bei den Öffentlich-Rechtlichen ist die Einführung von DAB+ Dank Rundfunkbeiträge ein recht einfacher Weg, für die privaten Sender ist es eine große Herausforderung (Parallelfinanzierung von zwei Technologien), eine Refinanzierung ist nicht gewährleistet (Gefährdung der Vielfalt in Niedersachen)
– Einsetzung für den 5G-Standard

Dr. Alexander Saipa, (Jahrgang 1976), SPD
– Radio wird überwiegend über UKW gehört
– die Technolgie (DAB +) konnte sich bisher bei uns (VerbraucherInnen in Deutschland) nicht durchsetzen
– das (technisch überlegene) Digitalradio hat bis heute einen schweren Stand, 6% hören vorwiegend über DAB+
– für fast 70% der Nutzer ist UKW die Hauptempfangsart
– das Internetradio ist mit knapp 10% verbreiteter als DAB+

Es gab noch Meldungen von der CDU, den Grünen und der AfD, im Anschluss wurde der “Antrag für eine digitale Radiozukunft” einstimmig angenommen.
Was bedeutet diese Entscheidung nun?
Meiner Meinung nach nichts, da es in Niedersachsen nur das bundesweite Paket auf 5C und die NDR-Pakte gibt. Die NLM als Niedersächsische Landesbehörder fördert meines Wissens kein Digitalradio. Sie war lediglich an einem Modellversuch der TU Braunschweig beteiligt, in dem die Regionalisierung von Gleichwellennetzen untersucht wurde. Es zieht sich also kein Privatsender aus DAB+ in Niedersachsen zurück da hier niemand sendet. Gerüchteweise gab/gibt es Budgets zur Förderung des DAB-Ausbaus seitens der NLM, diese werden vermutlich nun gestrichen sofern sie vorhanden sind.

Sturm im Wasserglas?
In zahlreichen Pro-DAB-Gruppen und -Foren waren Aufregung und Aufschrei sehr groß, Privatradioveranstalter und -verbände lobten hingegen die Entscheidung. Für den durchschnittlichen Radionutzer selbst hat sich nichts geändert und es wird auch vermutlich noch dauern bis sich etwas ändert. Seine Lieblingsprogramme bleiben sowohl via UKW als auch via DAB auf Sendung.

Visionen für die Zukunft
Radio via Internet ist in meinen Augen eine geniale Erfindung – sofern man eine stabile Empfangsleitungen und großzügig bemessene Streamserver besitzt. Würden alle terrestrischen Radionutzer gleichzeitig das Internet nutzen wollen, bricht es mit großer Wahrscheinlichkeit zusammen. Zusätzlich ist Bau und Betrieb von webbasierten Diensten mit hohem Aufwand verbunden (gerade im mobilen Bereich und speziell bei 5G wo Sendermasten mit 1km Abstand errichtet werden müssen). Klassischer Rundfunk – in welchem Wellenbereich auch immer – ist da wesentlich unkomplizierter, da es keine direkte Leitung zwischen Sender und Empfänger gibt.

DAB+ hält langsam aber kontinuierlich Einzug in Niedersachsen. Das beobachte ich in meinem lokalen Umfeld. Ich hoffe, dass sich kleine/lokale/regionale Anbieter zusammensetzen und eigene Pakete ohne Förderung der NLM auf die Beine stellen. Vielleicht gelingt ja sogar eine Kooperation mit dem NDR, in Hessen hat das ja auch mal eine Zeit lang funktioniert.

Radio 90.vier ab Mai via Digitalradio

Ab Anfang Mai ist der kommerzielle Lokalsender Radio 90.vier aus Delmenhorst über einen zusätzlichen Verbreitungsweg zu empfangen. Er geht im Bremer Digitalradio-Paket auf Sendung. Das berichtet u.a. radioWOCHE.de. Durch diese zusätzliche Frequenz vergrößert der Anfang 2019 gestartete Sender sein Verbreitungsgebiet um ein Vielfaches.
Bisher ist der Sender aus Ganderkesee auf 90,4 MHz mit 1,0 kW auf Sendung. Das private DAB+-Paket aus Bremen arbeitet in Bremen-Walle mit 2,0 kW und zusätzlich in Schiffdorf bei Bremerhaven mit 0,5 kW. Mit dieser Aufschaltung ist Radio 90.vier nach Radio Nordseewelle der zweite private Lokalsender, der über den Umweg Bremen digital verbreitet wird.

Es ist für mich ein Rätsel warum die Niedersächsische Landesmedienanstalt NLM nichts in Sachen Aufschaltung kommerzieller DAB+-Pakete unternimmt. Auch in Niedersachsen hält das Digitalradio Einzug und wird von Hörern wahrgenommen. Lustigerweise mischt ffn im Bremer Privatpaket mit.

Hier die aktuelle Aufstellung aller Programme im kommerziellen DAB+-Paket aus Bremen:

– ENERGY BREMEN
– Rado Nordseewelle
– RadioB2 SCHLAGER
– ffn Bremen/Oldenburg
– Radio Roland

Ausschreibung Lokalradio Raum Wilhelmshaven/Jever

Anfang Juni hat die Niedersächsische Landesmedienanstalt (NLM) eine weitere Region für den kommerziellen Lokalfunk ausgeschrieben. Es handelt sich hierbei um den Raum Wilhelmshaven/Jever/Wittmund. Der künftige Anbieter soll eine „möglichst flächendeckende“ Versorgung eines Gebietes mit folgenden Koordinaten gewährleisten:

08E02/53N50
07E55/53N37
07E39/53N34
07E43/53N20
07E54/53N20
08E11/53N31

Packt man diese Daten in eine Karte ergibt sich in etwa folgendes Gebiet:

Dieses Gebiet ist relativ dünn besiedelt, die Einwohner von Wilhelmshaven, Jever und der Stadt Wittmund ergeben zusammengerechnet aber auch bereits schon knapp 115.000 Einwohner. Und: bei der letzten Reichweitenanalyse Lokalfunk der NLM hat sich gezeigt, dass kleine Sender vor allem in ländlichen Gebieten erfolgreich sind und gehört werden. Die Vorzeichen stehen also gar nicht mal so schlecht. Gespannt bin ich auf die Frequenz(en), die muss sich der Anbieter wie bei allen anderen Ausschreibungen auch selbst suchen.

In Bremen ist man schon ein paar Schritte weiter. Dort wurde Anfang Mai eine Frequenz ausgeschrieben, fünf Anbieter haben sich beworben:

– Absolut Relax (Neue Welle Rundfunk-Verwaltungsgesellschaft mbH & Co. KG, Nürnberg)
– Bremen live (96,1 Bremen live GbR, Bremen)
– Jazz Radio (JazzRadio Rostock GmbH & Co. KG, Berlin)
– Radio B2 (MVP Lokalradio GmbH, Berlin)
– Radio Roland (Funk und Fernsehen Nordwestdeutschland GmbH & Co. KG, Hannover)

Über den Zuschlag entscheidet die Bremische Landesmedienanstalt in den kommenden Wochen. Neu koordiniert wurde in den vergangenen Wochen die Frequenz 95,6 MHz mit 200 Watt.

Reichweiten Lokalsender in Niedersachsen 2016

Die kompletten Zahlen werden zwar erst in etwa zwei Wochen veröffentlicht aber das was die Niedersächsische Landesmedienanstalt (NLM) in der vergangenen Woche vorab zur Reichweite der Lokalsender veröffentlicht hat ist bereits sehr interessant.

Aber der Reihe nach: alle fünf Jahre veröffentlicht die NLM eine Reichweitenstudie zu den Lokalsendern in Niedersachsen. 1999, 2006 und 2011 wurden Zahlen über die Akzeptanz der Offenen Kanäle und Nichtkommerziellen Lokalsender (NKLs) publiziert. Seit 2013 sind kommerzielle Lokalsender auf Sendung und diese wurden bei der aktuellen Untersuchung zum ersten Mal berücksichtigt. Und gerade diese Zahlen sind interessant: mit ziemlich viel Aggressivität war/ist beispielsweise Radio Osnabrück unterwegs. Schrieb man im Netz etwas Negatives, meldete sich ziemlich zeitnah jemand und drohte mit rechtlichen Schritten. Einigen Radioforenuser wurde beispielsweise untersagt zu behaupten, dass Radio Osnabrück Facebook-Likes gekauft hat. Hasepost.de hat die FB-Likes etwa ein halbes Jahr nach Sendestart analysiert und kam zu diesem Ergebnis. Einige Tage später war das analysierte FB-Profil verschwunden, es gab eine neue Seite und dort scheinen die Likes halbwegs der Realität entsprechen. Ich bezweifele zwar, dass ein solches Auftreten irgendwas mit den Hörerzahlen zu tun hat, es lässt aber abschätzen wo offensichtlich die Prioritäten liegen. Beim Programm wohl eher nicht, der Sender wird kaum gehört und belegt den letzten Platz im landesweiten Ranking. Hier die Zahlen der Privatsender (Hörer gestern):

1.) Radio Nordseewelle: 13,7 %
2.) Radio Nienburg-Mittelweser: 11,1%
3.) Radio 38: 7,2 %
4.) Radio Hannover: 5,7 %
5.) Radio Osnabrück: 2,6 %

Die Pole Position für Radio Nordseewelle ist meiner Meinung nach kein Wunder da das Programm authentisch gemacht auf die Antenne geschickt wird. Auf Platz 2 habe ich eigentlich Radio Hannover gesehen, vielleicht schreckt die sperrige Verpackung ab. „Schlechte Frequenzen“ lasse ich in diesem Fall nicht gelten, da vmtl. alle Frequenzen (bis auf die 100,3 MHz von Radio 38) eher Behelf sind. DAB+ wäre ein Ausweg aber das ist ein anderes Thema. Ansonsten spiegelte das Ranking m. E sehr gut das Engagement hinter dem jeweiligen Projekt wider. Und ganz ehrlich: ich kenne nur eine Person, die gelegentlich Radio Osnabrück hört (und das ist jemand der sich etwas tiefgründiger mit dem Thema „Radio“ beschäftigt). Ergo: eine „dicke Hose“ ist nicht unbedingt hilfreich, Ideen und Umgangsformen sind eher angesagt.

Kommen wir zu den NKLs in Niedersachsen: diese haben in einigen Gebieten (Osnabrück, Ostfriesland, Hannover und Braunschweig) kommerzielle Mitstreiter erhalten und müssen sich daher einem weiteren Konkurrenten stellen. Hier das landesweite Ranking (Hörer gestern, in Klammern die Zahlen von 2011):

1.) Radio Aktiv: 13,9% (7,3%)
2.) Radio Ostfriesland: 9,5% (10,7%)
3.) Radio Jade: 7,4% (5,1%)
4.) OSradio 104,8: 4,5% (3,6%)
5.) Radio Tonkuhle: 3,4% (4,7%)
6.) Radio ZuSa: 2,7% (5,1%)
7.) StadtRadio Göttingen: 2,3% (2,7%)
8.) Oldenburg Eins: 2,1% (2,1%)
9.) Radio Leinehertz 106,5: 1,9% (1,2%)
10.) Ems-Vechte-Welle: 1,8% (2,5%)
11.) Radio Okerwelle: 1,1% (2,3%)

Ziel verfehlt: das OSradio 104,8-interne Ziel war „5% plus x“. Festgelegt wurde es im Jahr 2011 kurz nach der Veröffentlichung der Reichweitenanalyse. Und der Sender war nach meinem Empfinden auf der richtigen Fährte bis 2014 interne Streitigkeiten eskalierten. Bis heute besteht die Musik zu 85% aus Songs die ich vor der Aufgabe meiner Tätigkeiten als Musikchef im Juli 2014 in der Rotation platziert habe (den Eindruck habe ich beim gelegentlichen Vorbeizappen). Grundsätzlich scheint das Prinzip immer noch zu funktionieren. Den Verantwortlichen fehlt es aber an Know How, Mut und Gefühl für die richtigen Stellschrauben. In meinem Bekanntenkreis hört übrigens niemand (mehr) OSradio 104,8 und auch meine persönliche MA (Blick auf Radiodisplays vorbeifahrender Autos/offene Ohren in Geschäften) bestätigen dies. Last But Not Least sind Bemerkungen aus dem Dunstkreis von Radio Osnabrück bzgl. OSradio interessant: „Seit dem Weggang von Herrn Tepe ist OSradio am Arsch.“

Stagnation ist Rückgang: Gerade im Bereich „Bekanntheit“ hat OSradio 104,8 (trotz Negativpresse) Federn gelassen. 2011 antworteten über 70% mit „Jo kenne ich“, bei der aktuellen Umfrage ist der Wert deutlich unter 70%. Und auch der Wert für „schon gehört“ sackte von knapp 52% auf unter 45%.

Es gibt nun also zwei Lokalsender in Osnabrück und beide erreichen in etwa die gleiche Höreranzahl wie RADIO21 im Jahr 2006. Sind aller guten Dinge eventuell drei? Warten wir es ab. Vollständige Daten veröffentlicht die NLM in etwa zwei Wochen.
(Reichweiten lokaler Hörfunkangebote in Niedersachsen 2016)
(Reichweiten lokaler Hörfunk und TV Angebote in Niedersachsen)

Niedersachsen: Zulassung für Radio Oldenburg

Ein weiterer Lokalsender darf in Niedersachsen seinen Betrieb aufnehmen. Das hat gestern die Niedersächsische Landesmedienanstalt beschlossen. The Winner Is Radio Oldenburg.

Radio Oldenburg

Hinter diesem Projekt steckt das Team, das bereits im Mai mit dem Projekt “Radio Delmenhorst” auf Sendung war. Konkret:

40 % IDEEN MEDIEN Kommunikation UG
Gesellschafterin zu 60 % Christiane Grobbin
Gesellschafter zu 40 % Jürgen R. Grobbin
10 % Ralf Heinemann-Hohn
10 % RKA Versicherungsmakler GmbH
Gesellschafterin zu 100 % Regina Kindermann
39 % Dr. Dieter Kindermann
1 % Jürgen R. Grobbin

Klingt für mich nach “Klüngelwirtschaft” oder nach unglaublichem Opportunismus (einige Leute sehen großes Potential). Oldenburg ist – ironischerweise durch Radio Bremen – gefühlt relativ gut im Radio vertreten. Neben den in Niedersachsen üblichen Verdächtigen gibt es in Oldenburg seit einigen Jahren ein Lokalfenster von Energy Bremen. Warum also ein Lokalsender für Oldenburg? Musikalisch könnte Radio Oldenburg aber durchaus eine Lücke füllen: das Musikformat von Radio Delmenhorst war zu großen Teilen auf deutschsprachigen Schlager aufgebaut. Da diese Musikfarbe von den anderen Sendern (vor allem NDR1 Niedersachsen) kaum noch bedient wird, könnte man dadurch mit geschicktem Marketing und einem passenden Auftritt durchaus eine große Hörerschaft aufbauen. Ich bin gespannt, los gehts in der ersten Jahreshälfte von 2015.

Gesendet werden soll auf 90,4 MHz, die Sendeleistung ist noch nicht bekannt. Aktuell ist die Frequenz für Molbergen-Peheim (Cloppenburg) koordiniert, die BNetzA muss sie nun nach Oldenburg umkoordinieren. Radio Oldenburg teilt mit dieser Frequenz das gleiche Schicksal wie viele andere Sender in Niedersachsen: bei Überreichweiten wird ddas Signal durch andere Stationen weggedrückt.

Niedersachsen: weitere Lokalsender starten

Ende März / Anfang April gehen zwei weitere Lokalsender in Niedersachsen auf Sendung. Den Anfang macht am 31.03.2014 Radio Nienburg Mittelweser. Seit 2012 ist der Sender im im Raum Nienburg via Kabel zu empfangen, ab dem 31.03.2014 wird das Programm aus Nienburg auf 103,3 MHz verbreitet, Tests laufen seit Donnerstag. Koordiniert ist die Frequenz mit 650 Watt, gesendet werden soll laut der RNM-Facebook-Seite über drei Antennen. Eine dieser Antennen ist derzeit aktiv, die anderen zwei sollen in der kommenden Woche folgen.

Radio Nienburg MittelweserAm 2. Aprill soll dann Radio Hannover folgen. Der Sender testet seit dem 19.03. auf 87,6 MHz mit einer Leistung von 100 Watt, ein “richtiges” Programm gab/gibt es bisher noch nicht. Mit dem Claim “Die Stimme der Stadt” möchte man nach eigenen Aussagen wie “wie NDR2 mit Würze” klingen, Ex-ffn-Moderator Björn Stack wird Programmdirektor. Bleibt abzuwarten wie der Sender wirklich klingt. Einen kleinen Coup konnte Radio Hannover schon landen: der Sender holt sich Ecki Stieg und seine Kultsendung “Grenzwellen” zurück.

Radio Hannover

Mit Radio 38 steht ein Lokalradio für die Region Braunschweig/Wolfsburg in den Starlöchern (hier gibt es noch keine weiteren offiziellen Infos), für die Region Neustadt am Rübenberge läuft bis zum 16.05.2014 eine Ausschreibung für Lokalfunk. Die Rundfunkslaka in Niedersachsen wird zahlenmäßig abwechslungsreicher, hoffentlich gilt das auch für den Inhalt.

Neue Reichweitenerhebung Bürgerrundfunk Niedersachsen

Die niedersächsische Landesmedienanstalt hat gestern Abend neue Zahlen zur Akzeptanz des Bürgerrundfunks in Niedersachsen veröffentlicht. Die Erhebungen wurden zum Ende des Sommers im gesamten Bundesland durchgeführt und nicht nur ich habe die Zahlen mit Spannung erwartet. Nach dem aus Osnabrücker Sicht desaströsen Ergebnis im Jahr 2006 hat sich bei Osradio 104,8 ne ganze Menge getan. Das Programm wirkt viel professioneller, Musik und Inhalte sind massenkompatibler und man spürt Aufbruchstimmung. Und das hat sich positiv auf die Hörerzahlen ausgewirkt. Hier die aktuellen Zahlen [Quelle: nlm.de]:

Bekanntheit (in Klammern die Zahlen von 2006):
1.) Radio Jade: 93,5 % (90,2 %)
2.) Radio Ostfriesland: 92,5 % (94,9 %)
3.) Radio Aktiv: 91,7 % (93,9 %)
4.) Radio Okerwelle: 89,5 % (89,8 %)
5.) StadtRadio Göttingen: 87,9 % (84,4 %)
6.) Radio Tonkuhle: 86,2 % (93,9 %)
7.) Radio ZuSa: 79,0 % (85,6 %))
8.) o-eins: 74,2 % (75,0 %)
9.) OSradio 104,8: 70,4 % (53,8 %)
10.) Ems-Vechte-Welle: 68,8 % (77,1 %)
11.) RadioWeser.tv Nordenham: 57,1 % (29,1 %)
12.) LeineHertz 106einhalb: 39,1 % (—)
13.) RadioWeser.tv Delmenhorst: 29,6 % (27,3 %)

Schon gehört (in Klammern die Zahlen von 2006):
1.) Radio Ostfriesland: 79,0 % (77,1 %)
2.) Radio Aktiv: 79,1 % (77,3 %)
3.) Radio Jade: 77,3 %(69,0 %)
4.) Radio ZuSa: 62,0 % (68,3 %)
5.) StadtRadio Göttingen: 69,4 % (65,5 %)
6.) Radio Tonkuhle: 66,9 % (71,7 %)
7.) Radio Okerwelle: 60,3 % (66,8 %)
8.) OSradio 104,8: 51,9 % (36,1 %)
9.) Ems-Vechte-Welle: 51,7 % (55,4 %)
10.) o-eins: 45,6 % (47,5 %)
11.) RadioWeser.tv Nordenham: 33,5 % (16,4 %)
12.) LeineHertz 106einhalb: 19,0 % (—)
13.) RadioWeser.tv Delmenhorst: 11,8 (13,2 %)

Weitester Hörerkreis (in Klammern die Zahlen von 2006):
1.) Radio Ostfriesland: 43,9 % (35,1 %)
2.) Radio Aktiv: 35,9 % (36,6 %)
3.) Radio Jade: 34,8 % (25,0 %)
4.) StadtRadio Göttingen: 23,0 % (27,8 %)
5.) Radio ZuSa: 22,7 % (24,5 %)
6.) Radio Tonkuhle: 20,3 % (27,4 %)
7.) OSradio 104,8: 19,1 % (11,8 %)
8.) Radio Okerwelle: 16,7 % (19,3 %)
9.) o-eins: 14,1 % (16,1 %)
10.) Ems-Vechte-Welle: 11,8 % (18,3 %)
11.) RadioWeser.tv Nordenham: 8,9 % (3,6 %)
12.) LeineHertz 106einhalb: 5,8 % (—)
13.) RadioWeser.tv Delmenhorst: 3,0 % (2,0 %)

Hörer gestern Mo-So (in Klammern die Zahlen von 2006):
1.) Radio Ostfriesland: 10,7 % (5,1 %)
2.) Radio Aktiv: 7,3 % (9,3 %)
3.) Radio Jade: 5,1 % (3,3 %)
4.) Radio ZuSa: 5,1 % (4,8 %)
5.) Radio Tonkuhle: 4,7 % (6,8 %)
6.) OSradio 104,8: 3,6 % (0,7 %)
7.) StadtRadio Göttingen: 2,7 % (6,5 %)
8.) Ems-Vechte-Welle: 2,5 % (1,7 %)
9.) LeineHertz 106einhalb: 1,2 (—)
10.) Radio Okerwelle: 2,3 % (1,0 %)
11.) o-eins: 2,1 % (1,0 %)
12.) RadioWeser.tv Nordenham: 0,6 % (0,1 %)
13.) RadioWeser.tv Delmenhorst: 0,0 % (0,0 %)

Das Ende der Fahnenstange ist natürlich noch nicht erreicht, viele Kooperationen laufen gerade erst an bzw. sind in Verhandlung. Ich denke schon, dass Osradio 104,8 mittlerweile zu einer massenkompatiblen Alternative im Äther geworden ist.
(Anlage_zur_Presse_Info_24.11.11)
(Akzeptanz-Buergermedien_NDS_2011)

Wulff für lokalen Privatfunk in Niedersachsen

Dieser Schritt ist in meinen Augen schon lange überfällig aber nun ist es soweit: Die niedersächsische Landesregierung möchte laut einem Artikel auf satnews.de lokalen Privatfunk in Niedersachsen ermöglichen. Laut Satnews hat dies ein Sprecher der Staatskanzlei am Montag bestätigt.

Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) hatte am Wochenende bei einer Veranstaltung zum 100-jährigen Bestehen der “Northeimer Neuesten Nachrichten” (NNN) über entsprechende Pläne berichtet. Da auf UKW kaum noch Frequenzen für neue Programme zur Verfügung stehen wird darüber spekuliert ob die bisherigen nichtkommerziellen Lokalradios (NKLs) künftig kommerzialisiert werden.

Soso, Herr Wulff möchte die NKLs kommerzialisieren. In meinen Augen ein zweischneidiges Schwert. Aktuell sind die meisten NKLs in Niedersachsen Vereine (e.V.), Werbung ist aktuell untersagt. Einige Sender (z.B. die Ems-Vechte-Welle) sind mittlerweile zu gGmbHs geworden, werben dürfen sie trotzdem nicht. Ich denke es ist auch ganz gut, dass die Stationen werbefrei sind. So kann man formattechnisch andere Wege einschlagen als ffn und Konsorten. Oder möchte Herr Wulff die Sendelizenzen der NKLs nicht verlängern und kommerziellen Dudelfunk genehmigen? Ein weiterer Sender, der nach ffn, Antenne und Radio 21 von den bekannten Zeitungsverlegern mitbetrieben werden? Nein Danke! Wer in einer Zeitung stattfindet, dürfte klar sein: Firmen die Anzeigen für (meist zu) teures Geld Anzeigen schalten. Schaltet eine Firma keine Anzeigen: Pech gehabt. Ich selbst kann mich gut daran erinnern als Mitgründer eines Webradios Anfragen bei einer Zeitung bzgl. Kooperation gestellt zu haben (in Osnabrück gibts ja viele Tageszeitungen). “Ihr habt die Meldungen, wir bauen Eure schreckliche Internetpräsenz um.” PHP-Scripte bauen und zack sind die Meldungen auf der Seite des Internetradios. Diese Anfrage wurde nie beantwortet und es wurde auch nie über den Sender berichtet (trotz vieler lokaler Aktionen und Synergien). Es war wohl die Angst dass wir besser sind als der Platzhirsch.

Meiner Meinung nach sollten die Sendelizenzen an Formate/Inhalt gekoppelt werden. Pro Bundesland ein Format und der Sender MUSS sich daran halten. Ansonsten passiert nämlich das was wir aktuell in Niedersachsen haben. ffn spielt seit eh und je grob gesehen Rock- und Popmusik, Hitradio Antenne (Antenne Niedersachsen) ist als Schlager- und Oldiesender gestartet. Vermutlich ist man hinter den Erwartungen zurückgeblieben und hat das Format geändert. Nun dudeln zwei Sender mit mehr oder weniger der gleichen Musik vor sich hin. Niedersachsen ist da leider keine Ausnahme.

Man könnte also ffn und Hitradio Antenne zusammenlegen, die frei werdende Kette für Radio 21 nutzen und die Radio 21-Kette entweder an NKLs vergeben (bei Versorgungslücken, in der Regel sind die NKLs in Niedersachsen aber besser zu empfangen als Radio 21) oder für privaten Lokalfunk nutzen. Und da lt. dem o.g. Artikel noch spekuliert wird, werden auch sicher noch viele Vorschläge kommen.

Wahlwiederholung

Die Landtagswahlen in Niedersachsen sind gelaufen, Christian Wulf bleibt mit seiner CDU stärkste Partei. Gemeinsam mit der FDP wird die schwarzgelbe Regierung fortgesetzt. Erschreckend niedrig war die Wahlbeteiligung. Nur 57% (als gerade mal etwas mehr als die Hälfte) hat sich auf den Weg zur Wahlurne gemacht. Lags am Mistwetter oder doch eher an der Politikverdrossenheit?
HochrechnungDer Wahlkampf lief im Vergleich zu dem in Hessen ruhig ab. Vermisst habe ich in diesem Wahlkampf medienpolitische Ziele und Aussagen der einzelnen Parteien. Man muss sich vor Augen halten, dass es in Niedersachsen überwiegend nur Städte und Landkreise mit einer Zeitung gibt. Diese Zeitungen sind wiederum an den Privatsendern ffn, Hitradio Antenne und Radio 21 beteiligt. Wenn also eine Zeitung nicht über ein bestimmtes Unternehmen oder über einen Vorfall berichten möchte, findet dieser einfach nicht statt – weder im Radio- noch im Printebreich (wobei man bei den hiesigen Privatsendern mit der Lupe nach Regionalbeiträgen suchen muss). NDR und die Deutschlandradios habe einfach zu grosse Sendegebiete um auf zig Kleinigkeiten einzugehen. Kommerzieller Lokalfunk ist verboten, nichtkommerzieller Lokalfunk wird toleriert („die können ja eh nix, ist keine Konkurrenz für uns“). Eine Lockerung dieses meines Erachtens angestaubten Gesetzes ist dringend notwendig. Doch welche Partei beschäftigt sich mit diesem Thema? Vermutlich keine. Zu schön ist es in dem Sumpf der grossen Verlagshäuser zu bleiben, eine Hand wäscht ja bekanntlich die andere (Lieber Politiker, sorge dafür dass es keine Medien gibt in denen wir nicht unsere Finger im Spiel haben, wir berichten auch nur Gutes über Dich).

Eine Partei wird sicher nicht für die Lockerung des niedersächsischen Landesmediengesetzes eintreten: Die Linke. Ich frage mich eh woher die landesweiten 7% kommen. Nur Frust? Nur den Mittelfinger einmal Richtung Hannover erheben? Da gibt es zig andere Möglichkeiten. Ich als Radiomacher hätte keine Lust meine Inhalte vorher erst zur Parteizentrale schicken zu müssen und meine Sendung dann unter den Augen eines Aufsichtsbeamten zu fahren. Und wehe ich weiche vom Manuskript ab. Hallo? Gespannt bin ich mal auf die noch in diesem Jahr folgenden Landtagswahlen und das Abschneiden dieser Partei. Auf einen linksgerichteten Staatsfunk habe ich jedenfalls keine Lust. Mittelfinger zeigen JA, Die Linke wählen NEIN.

Goodbye, Radio Flora

Im November vergangenen Jahres wurden Zahlen über die Reichweite der niedersächsischen Bürgersender veröffentlicht (hier gibts nochmal alle Zahlen zum Nachlesen). Mein ortsansässiges OS Radio lang ja immerhin bei 1,3% Stammhörerschaft, das Hannoveraner Vorzeigeprojekt Radio Flora schaffte es laut dieser Auswertung auf gerade mal 0,3% Markanteil. Damit lag der Sender sogar hinter 89.0 RTL welches offiziell für Sachsen-Anhalt sendet.

Gestern nun hat die Niedersächsische Landesmedienanstalt NLM die Lizenzen der Bürgersender verlängert – bis auf die Lizenz von Radio Flora. Auf der Homepage der NLM heisst es:

Vor dem Hintergrund der weit unter dem Landesdurchschnitt liegenden Akzeptanz (…) hat die Versammlung der NLM dem Antrag auf Lizenzverlängerung von Radio Flora/Hannover nicht entsprochen. Sie sieht zwar in den zwischenzeitlich angekündigten Programmreformen einen richtigen Ansatz, um die offensichtlichen Programmdefizite auszugleichen, hat aber erhebliche Zweifel, ob die angekündigten Maßnahmen in den bestehenden Organisationsstrukturen des Senders erfolgreich umgesetzt werden können. Bei ihrer Entscheidung berücksichtigte die Versammlung insbesondere auch, dass Radio Flora aus den Ergebnissen der Akzeptanz-Untersuchungen 1998/99 offenbar keine bzw. nicht die richtigen Schlussfolgerungen gezogen hat; die aktuellen Defizite seien bereits damals deutlich aufgezeigt worden.
Die Versammlung hat deshalb beschlossen, die Frequenz Hannover 106,5 MHz neu auszuschreiben. Die Ausschreibung eröffnet auch für Radio Flora die Chance, sich erneut zu bewerben.

Über diese Entscheidung lässt sich tagelang streiten. Die Bürgersender sorgen mit ihren nicht glattformatieren sicher für eine Bereicherung. Was nutzt diese Bereicherung jedoch, wenn sie niemand hört? Für die Macher von Radio Flora wäre es sicher einfacher im Internet weiterzusenden. Ein Verein mit 600 Mitgliedern (laut Homepage) hat sicher keine Probleme die anfallenden Gebühren zu tragen.