Wieder mehr illegale Musikdownloads

Im vergangenen Jahr ist die Zahl der illegalen Musikdownloads in Deutschland erstmals seit Jahren wieder gestiegen. Das berichtet zumindest der Spiegel in seiner Onlineausgabe. Demnach wurden in unserer Republik 316 Millionen Titel illegal heruntergeladen. Im Jahr 2007 waren es 312 Millionen Songs. Diesem Artikel zugrunde liegt die neuste Brenner-Studie des Bundesverbands Musikindustrie.
Aber mal ganz ehrlich: Wundert das überhaupt noch jemanden? Auch wenn der Vorsitzende des Bundesverbands Dieter Gorny Recht hat mit der Aussage „Wer ne CD klaut wird bestraft, wer 100 Alben saugt kommt ungeschoren davon“, hat sich die Musikindustrie durch Kopierschutzmechanismen die das Abspielen einer legalen CD in einem CD-Player verhindern und Musterprozessen gegen Filesharer (vor allem in den USA) meiner Meinung nach in die Rolle des Bösewichts katapultiert. Legal, illegal, scheissegal. Hinzu kommt eine teilweise merkwürdige Planung von Veröffentlichungen. Zahlreiche Titel sind einige Monate früher in Nachbarländern erhältlich. Versucht man sie über offizielle Portale wie Amazon & Co. zu bestellen, landet man oft im Nichts. Das Gleiche gilt wenn man Musicload oder Napster bemüht. Ich habe mich bereits an anderer Stelle mehr oder weniger ausführlich zu diesem Thema geäussert.

Zurück zum Spiegel-Artikel: Herr Gorny wettert weiter gegen die Staatsanwaltschaften, die Bagatellgrenzen eingeführt und damit ein „völlig falsches Zeichen gesetzt“. Gemeint sind damit die Behörden, die erst ab einer bestimmten Zahl von illegalen Downloads tätig werden und Ermittlungen aufnehmen. Mit anderen Worten: Die Behörden schaffen es einfach nicht mehr gegen jeden Downloader zu ermitteln. In dem Artikel heisst es weiterhin, dass nicht einmal ein Viertel der Musikdownloads legal war. Da war dann wieder die Sache mit dem „vernünftigen Downloadportal“ welches ich vermisse. Noch einen drauf setzt lt. chip.de der Chef von Sony BMG Deutschland Edgar Berger. Er fordert eine Strafkartei für Downloadpiraten. Vorbild für ihn ist Frankreich. Dort werden hartnäckigen Fällen sogar der Internetzugang abgeklemmt oder verweigert. Is klaaaaar.

Diese Aussagen klingen für mich nach einem beleidigten Kind, dem man das Lieblingsspielzeug weggenommen hat. Musik herunterladen ist Diebstahl, darüber muss man nicht diskutieren. Da sich die Gewohnheiten der Konsumenten aber geändert haben und keiner mehr vorm Radio lauert und seine Lieblingsmusik auf Cassette mitschneidet, sollte sich die Musikindustrie möglichst schnell etwas innovatives einfallen lassen. Ansonsten werden sie von Bands überholt, die ihre Songs kostenlos zum Download anbieten. Coldplay und Keane haben es im vergangenen Jahr vorgemacht, Placebo eifern aktuell nach. Natürlich sammeln die Bands und deren Managements so Direktkontakte und kann diese Kontakte auf Knopfdruck mittels Newsletter über Neuerscheinungen oder Konzerte informieren. Ausserdem baut man einen Link zum eigenen Shop ein und verschickt die neuen CDs/Platten direkt. Wozu braucht man dann noch Plattenfirmen? Herr Gorny und Herr Berger werden so auch wohl nicht aus den Einnahmen von Merchandising oder Live-Auftritten profitieren, wenn Künstler und deren Manager den Vertrieb selbst in die Hand nehmen.

Und eins möchte ich an dieser Stelle klarstellen: ich habe in diesem Monat bereits schon wieder viel zu viel Geld bei Amazon und diversen Mailordershops ausgegeben. Und das eine oder andere Konzert möchte ich in diesem Jahr auch noch besuchen…

Schweden plant Legalisierung von Musiktauschbörsen

Alter Schwede, die Skandinavier sind uns mal wieder ein paar Jahre voraus: Ab Herbst möchte man dort nämliche testweise Musikdownloads aus Tauschbörsen legalisieren. Internetkunden sollen dann die Möglichkeit bekommen optional eine „Musikflatrate“ zum DSL-Anschluss hinzuzufügen. Das berichtet u.a. heise online. Dort heisst es weiterhin:

Die Verwertungsgesellschaft hatte sich bereits im Februar mit dem Vorschlag zu Wort gemeldet, zusammen mit Zugangsanbietern die Voraussetzungen für eine Musik-Flatrate auszuloten. Vorgesehen ist, dass die Anbieter Lizenzverträge mit Stim abschließen und die Kosten dann in Form einer optionalen Musik-Flatrate an ihre Kunden weitergeben. Bei einem gemeinsamen Treffen von Vertretern schwedischer Internetanbieter, der Musikbranche und Stim wurden nun weitere konkrete Schritte verabredet. Ab Herbst dieses Jahres soll das Interesse der Kunden für die “fairen” Flatrates getestet werden.

“In unserer Vision soll man all die Musik hören können, die im Internet zu haben ist, genauso wie wir Fernsehen gucken; legal und ohne darüber nachzudenken, was gerade dieses Programm uns kostet”, erklärte die stellvertretende Stim-Vorsitzende Eva Modin. Anders als bei den bisher verfügbaren Flatrate-Angeboten wird jedoch kein begrenzter Katalog zum Download zur Verfügung gestellt. Die Lizenzkosten sollen danach berechnet werden, welche Dateien beim Nutzer tatsächlich abgespielt werden, unabhängig von ihrer Herkunft. So soll eine gerechte Verteilung der Einnahmen auf die Urheber gewährleistet werden.

Der schwedische Internetanbieter Tele 2 hat einen Paketpreis von 5 Euro in den Raum gestellt, die „schwedische GEMA“ (STIM) möchte dann über eine spezielle Software auswerten wie oft Titel auf privaten Rechnern abgespielt werden (zwecks Verteilung an die einzelnen Künstler).

Das System finde ich sehr interessant. Die hiesigen Musikflats a la Napster & Co sind eher ein Schuss in den Ofen. Da ich musikalisch nach wie vor einige Monate voraus bin, kann ich mit deutschen Downloadportalen recht wenig anfangen. Ausserdem finde ich das System der DRM-Verschlüsselung schon ziemlich dreist. Wenn ich eine Datei kaufe (auch über eine Flatrate) ist es eigentlich meine. Und wenn ich die Flat kündige, werden alle Dateien unbrauchbar? Bekomme ich dann mein Geld auch zurück?

Fünf oder zehn Euro (a la Napster) investiere ich gern, wenn ich dann mit gutem Gewissen auch über zweifelhafte Kanäle Musik runterladen kann. Diese Methode ist sicher sinnvoller und bringt schneller Geld in Kassen des Staates und der Plattenbosse als vereinzelte Abmahnverfahren oder Klagen (trotz der teilweise sehr hohen Strafen).

Der Test soll im Herbst in Schweden beginnen, ich würde mich sofort daran beteiligen. Hoffentlich bin ich mit dieser Meinung nicht alleine und auch die deutschen Anbieter lassen sich etwas ähnliches einfallen.

Kazaa wird legale Tauschbörse

So ziemlich jeder Surfer war oder ist im Kontakt mit MP3-Dateien. Viele dieser Dateien dürften illegal sein, mittlerweile gibt es aber auch genügend Möglichkeiten Songs legal auf die heimische Festplatte zu laden. Künftig wird es eine illegale Möglichkeit weniger geben. Aus dem Kazaa-Netzwerk wird eine legale Tauschbörse. Hier ein kurzer Artikel zum Thema:

Kazaa wird legale Tauschbörse
Nachdem Kazaa vor einem Jahr einen Gerichtsprozess wegen Urheberrechtsverletzungen vor einem australischen Gericht verloren hatte, folgte nun ein Vergleich mit RIAA und IFPI.
Kazaa wird Filtermechanismen in seine Software einbauen, die das Tauschen urheberrechtlich geschützter Dateien verhindern sollen. Zusätzlich zahlt Kazaa als Entschädigung 100 Millionen Dollar.
Mit der Argumentation von den Machern von Kazaa, dass sie nur die Plattform darstellen und für die Urheberrechtsverstöße ihrer Nutzer nicht verantwortlich seien, konnten sie sich nicht durchsetzen.
[Quelle : Sternshortnews.de]

Künftig werden die Files dort mit Kopierschutz versehen, Downloads sind dann nur noch gegen Entgelt verfügbar. Kazaa startete im Jahr 2000, ihre Betreiber hofften seinerzeit mit der Plattenindustrie kooperieren zu können. Doch diese hat den Downloadzug eindeutig verschlafen, legale Downloadportale sind ja erst in den letzten Jahren entstanden. Den „professionellen Downloader“ wird der Wegfall von Kazaa wohl nicht stören, es gibt ausreichend andere Möglichkeiten kostenlos an urheberrechtlich geschützte Musik zu gelangen.

Für mich ist dieses Thema ein zweischneidiges Schwert. Grundsätzlich finde ich dass für gute Musik gezahlt werden muss. Auf der anderen Seite wird so viel Dreck veröffentlich der mE ausschliesslich über Tauschbörsen verteilt werden sollte, weil jede gepresste CD eigentlich Sondermüll ist (z.B. alles was mit Casting zu tun hat). Auf der anderen Seite ärger ich mich über die Veröffentlichungspolitik der heimischen Plattenindustrie. Otto Normal ist sicherlich zufrieden mit dem was er im Media Markt an der Ecke als Single für € 4,95 kaufen kann. Ich hingegen beschäftige mich ja etwas intensiver mit dem Thema Musik und beobachte gerne Charts und Trends aus anderen Ländern. Was soll ich bitteschön jetzt beispielsweise mit „Crazy“ von Gnarls Barkley? Das Ding war Anfang des Jahres auf Platz 1 in Grossbritannien, für mich ist das Thema durch (obwohl der Song nach wie vor klasse ist). Was soll ich mit Kindertechno aus den heimischen Dancecharts während ich vergeblich nach neuen Singles von G-Spott (aus den Niederlanden) oder dem DT8 Project (Grossbritannien) Ausschau halten muss? Solche Singles sind in Deutschland nur über Umwege zu bekommen wenn man keine Connections besitzt.

Ideal wäre für mich ein zentrales Downloadcenter. Einloggen, Wunschland auswählen (z.B. Niederlande) durch diverse Listen klicken (Verkaufscharts, Dancecharts, Neuerscheinungen), die “guten” Tracks downloaden, Abrechnung über die Telefonrechnung. Natürlich sollte es dort keine blechernden WMA-Dateien geben sondern “vernünfitge” MP3s (320 kB/s) und der Preis sollte passen (€ 1,99 würde ich für aktuelle Songs investieren). Wichtig ist dass die Datenbanken aktuell sind (warum soll ich auf die offizelle Veröffentlichung warten wenn der Song jetzt im Radio läuft) und dass Songs abrufbar bleiben. Manchmal möchte man ja doch einen älteren Titel herunterladen.

Das Ganze wird aber Wunschdenken bleiben vermute ich, da die verschiedenen Plattenlabel gern ihre eigenen Portale betreiben möchten. Ausserdem kocht jedes Land sein eigenes Süppchen bzgl. der Veröffentlichungsdaten einzelner Tonträger. Bei “grossen” Acts sind die Release-Daten mittlerweile angeglichen worden, nationale Acts werden zunächst im Heimatland und später (vielleicht auch gar nicht) im Ausland veröffentlicht. Herzlich willkommen in der EU…