Amoklauf in Ludwigshafen

Es scheint ja schon fast zur traurigen Regelmässigkeit zu werden. Der Amoklauf von Winnenden ist noch nicht mal ein Jahr her und schon rastet wieder ein Schüler aus. Dieses Mal war es ein ehemaliger Berufsschüler in Ludwigshafen. Aus Wut über schlechte Noten hat er mit einem Messer auf seinen ehemaligen Lehrer eingestochen und ihn dadurch getötet.

Was ist eigentlich los in der Gesellschaft? Männer werden von Halbwüchsigen ins Krankenhaus getreten. Zwei Jugendliche stürzen sich in einem Hamburger Bus auf einen anderen Jugendlichen nur weil er sie aufgefordert hatte ihr Handy leiser zu machen und auch ich (der eigentlich jedem Stress aus dem Weg zu gehen versucht) werde gelegentlich von halbwüchsigen Rotzblagen beschimpft. Killerspiele allein können es nicht sein. Auch nicht das böse Internet in denen es nur von gewalttätigen Seiten wimmelt. Ich denke es ist der fehlende Respekt vor anderen Mitmenschen. Vielleicht macht es Sinn an Schulen „Umgangsformen“ zu unterrichten. Umgangsformen, die mehr Respekt voreinander vermitteln und weg von Höhlenmenschen-Methoden gehen. Auge um Auge, Zahn um Zahn. Steht zwar in der Bibel und wird auch (leider) noch in vielen Ländern so gehandhabt (Blutrache, Klagewellen), ist aber meiner Meinung nach überholt.

Der Amoklauf in Winnenden

Zum Amoklauf in Winnenden ist alles gesagt, man kann sich von Minute zu Minute auf den neusten Stand der Ermittlungen bringen. Und ehrlich gesagt geht mir das Thema jetzt schon auf den Zeiger. Es ist schrecklich was dort passiert ist. Da rastet mal einer aus, schiesst 15 Leute über den Haufen und das nur weil… tja, das wird wahrscheinlich eh nie zu 100% geklärt. Es macht an dieser Stelle auch keinen Sinn darüber zu spekulieren ob Tim K. nun depressiv oder eher ein Waffenfreak war. Ich kenne weder ihn, noch seine Familie noch überhaupt jemand aus diesem Ort. Alle Spekulationen können daher woanders ausgetragen werden.

Rein rechtlich trägt sein Vater nach dem derzeitigen Stand der Dinge Mitschuld an dieser Tat. Er hat eine Pistole nicht weggeschlossen und sein Sohn konnte sich die Waffe unbemerkt aneignen. Sind daher alle Sportschützen gefährlich? Ich denke nicht. Obwohl ich weder Ahnung von der Szene und auch bewaffneten Bekannten habe, deutet dieser Fall mal wieder auf unsere Ellenbogengesellschaft hin. Jeder hat die grösste Klappe, jeder möchte auf die Pole Position. Das merkt man bei einem simplen Spaziergang zu später Stunde durch eine x-beliebige Innenstadt. Es dauert nicht lange, bis ein Vollpfosten mit Hip Hop-Mütze auf dem offensichtlichen Hohlkörper über seinen Schultern und Breithose „Ey Alter Deine Mutter..:“ gröhlt. Umgeben ist er von zwei bis drei weiteren Typen, die sich ebenfalls in dieses Kostüm gezwängt haben, welche sich totlachen und den „Anführer“ für „ultratight“ halten. Mir egal, da selbst meine vierbeinige Mitbewohnerin einen höheren IQ besitzt. Wie oft zieht jemand aus ner Seitenstrasse ganz knapp vor dem eigenen Auto auf die Strasse und quittiert mein Hupen mit einem Mittelfinger oder gar mit Ausbremsen uns aus dem Auto steigen? Diese Liste lässt sich sicher beliebig fortsetzen.

Liegts also an Ballerspielen, Death-Metal, Youtube & Co. oder an den Vorbildern die man an jeder Ecke geboten bekommt? Liegts an Chatrooms und Soft-Air-Ballereien oder an der Ellenbogengesellschaft, die bereits im Kindergarten vermittelt, dass man nur Schuhe von XY tragen sollte um „cool“ zu sein? Vielleicht sollte man an diesen Punkten ansetzen bevor man Sportschützen, Ballerspiele etc. beschuldigt. Und vielleicht sollten wir versuchen die mittlerweile immer südländischer werdende Hitzköpfigkeit loszuwerden und mal ein paar Gänge runterschalten. Vielleicht kann man so den nächsten Amoklauf verhindern.

Amoklauf in Emsdetten

Der Amoklauf in Emsdetten an der dortigen Geschwister-Scholl-Realschule geht auch an mir nicht spurlos vorbei. Keine Ahnung warum denn ich habe weder Bekannte noch Verwandte dort, vielleicht ist es einfach die recht geringe Entfernung von meinem Wohnort bis dorthin. Die Fakten sind mittlerweile lang und breit in der Presse behandelt worden, erschreckend finde ich aber eher die Reaktion unserer Herren Politiker in Berlin. Plötzlich sind die stumpfsinnigen Ballerspiele Schuld an dieser Tragödie. Geht’s noch? Klar, wer den ganzen Nachmittag vorm PC sitzt und virtuell Leute erschiesst oder foltert bzw. sich über das Internet Sprengstoffkomponenten besorgt und Bomben bastelt, ist nicht ganz richtig im Kopf. Ein wenig frische Luft oder mal ordentlich laut Musik hören ist in solchen Situationen sicher besser, es ist aber völliger Quatsch diese Ballerspiele zu verbieten. Durch die Illegalität werden solche Dinge doch gerade erst interessant, oder? Wenn Kazaa & Co legal wären, würde es doch keinen Spass mehr machen Musik und Filme zu saugen. Oder wenn man in der geschlossenen Ortschaft so schnell fahren könnte wie man wollte fehlt der „Oh, ich fahre 75. Hoffentlich werde ich nicht erwischt“-Kick.

Von Counterstrike & Co. habe ich 0 Plan, ich spiele wenn dann mal ne Runde Tetris oder Snake (warum bietet Sony Ericsson dieses Spiel eigentlich nicht serienmässig an?). Verteidigen werde ich diese Geschichten also nicht. Trotzdem sollten sich die Herren in Berlin mal Massnahmen einfallen lassen, damit Kinder und Jugendliche erst gar nicht auf die Idee kommen vor Langeweile zu zocken bzw. zu überlegen woher sie Waffen oder gar Sprengstoff bekommen können. Gegenwärtig ist es ja schon fast notwendig, dass beide Elternteile arbeiten gehen, damit man sich wenigstens etwas Wohlstand leisten kann. Logischerweise bleibt der Nachwuchs dann ein paar Stunden unbeaufsichtigt (selbst wenn Mama nur Halbtagsjob hat aber den kann sie sicher nicht mal eben abbrechen wenn die 5. Stunde ausfällt). Vielleicht sollte die Politik dort ansetzen und die Lebenshaltungskosten (Steuern) senken, damit nur ein Elternteil arbeiten muss und sich der andere um den Nachwuchs kümmern kann. Auch sollten die Schulen so ausgebaut werden, dass Leute die aus welchen Gründen auch immer aus dem „normalen“ Raster fallen aufgefangen und unterstützt werden. Wenn sich aber Mitschüler gegen mich stellen und die Lehrer aufgrund von Zeitmangel auch keinen Support bieten, brauche ich schon einen Zufluchtsort. Für Einige (labile) Personen ist das halt das Internet bzw. das nächstbeste Ballerspiel.

Ich gehe davon aus, dass der Vorfall in Emsdetten nicht der letzte war. Der nächste Ausraster kommt bestimmt…