Wer haftet bei offenem W-LAN?

W-LAN ist ne schöne Erfindung. Man schnappt sich seinen Laptop, läuft durch die Wohnung und kann z.B. aufm Klo DSDS gucken, falls man Probleme mit dem Stuhlgang hat. Oder auch sinnvollere Dinge tun wie z.B. beim Sonnenbaden im Internet surfen (vorausgesetzt die Sonne scheint, das heute war ja schon mal ein Anfang). Neulich kam meine bessere Hälfte auf die Idee unseren gemeinsamen vier Wände neu zu gestaltet. Also schnell die Computer in einen anderen Raum verfrachtet, festgestellt dass man keine Lust hat LAN-Kabel zu legen und ebenso schnell einen W-LAN-Stick gekauft. W-LAN wurde erkannt, allerdings war das Netz zu schwach. Kabel legen? Nö. Accesspoint kaufen. Gesagt getan, seither funktioniert das interne W-LAN wunderbar.

Router und Accesspoint sind natürlich gesichert. Ja, man kann W-LAN hacken, davon gehe ich aber erstmal nicht aus. Ich möchte nicht wissen, wie weit mein Accesspoint in die Nachbarschaft strahlt. Angenommen dieser Accesspoint ist nicht gesichert: Wer haftet dafür? Mit dieser Frage hat sich heute der Bundesgerichtshof in Karlsruhe beschäftigt. Lädt sich ein Nachbar Musik, Filme oder Software herunter, geschieht dies über meine IP-Adresse. Und ich bekomme im Zweifelsfall Besuch vom Gesetz.

Im heute verhandelten Fall ging es um einen Mann, über dessen IP-Adresse der Titel „Der Sommer unseres Lebens“ von Sebastian Hämer in einer Tauschbörse angeboten wurde. Die Plattenfirma „3p“ erstattete Anzeige. Allerdings war das Anschlussinhaber zur fraglichen Zeit nachweislich im Urlaub, der Vorgang muss also von Aussen erfolgt sein. Trotzdem forderte die Plattenfirma als Rechteinhaber Schadensersatz in Höhe von € 150,- sowie über 300,- Euro Abmahngebühren. Der Anschlussinhaber legte Widerspruch ein, der Fall landete vor Gericht. Das Landgericht Frankfurt gab der Plattenfirma Recht, das Oberlandesgericht Frankfurt hob das Urteil später wieder auf. Nun liegt der Fall beim Bundesgerichtshof und dieser verkündet voraussichtlich am 12. Mai sein Urteil.

Sollte der BGH entscheiden dass der Anschlussinhaber haftbar ist, sehe ich schon die ersten gestockten W-LAN-Antennen auf Hausdächern, die sich im nächsten Hotspot einwählen (oder halt beim Nachbarn der sein Funknetzwerk nicht verschlüsselt hat). Oder ich fahre mit dem Auto durch die Gegend und parke vor dem Haus eines offenen W-LAN-Anschlusses um illegale Dinge zu tätigen. Auf der anderen Seite wird es fast unmöglich sein einen W-LAN-Piraten dingfest zu machen.

Verfechter von „freiem W-LAN für Alle“ dürften wahrscheinlich ins Grübeln kommen, wenn sie als Anschlussinhaber künftig haftbar gemacht werden können. Mein W-LAN bleibt jedenfalls geschlossen.

Ein Gedanke zu „Wer haftet bei offenem W-LAN?

  1. Auf dieses Urteil warten bestimmt viele. Bei uns kommt in Kürze auch ein WLAN Router zum Einsatz, da wir unseren Tarif umgestellt haben. Allerdings werden wir dann auch schauen damit alles Sicher ist und kein Fremder darauf zugreifen kann.

    Wünsche ein schönes Wochenende.

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