Sprengung Sender Heusweiler

Am vergangenen Freitag wurden die Sendemasten im saarländischen Heusweiler gesprengt. An diesem Standort arbeitete lange Zeit der stärkste Mittelwellensender der ehemaligen Bundesrepublik Deutschland. Mit 1200 kW wurde hier das Programm der „Europawelle Saar“ verbreitet. Aufgrund der hohen Sendeleistung und der Sendefrequenz konnte der Standort auch tagsüber in weiten Teilen Deutschlands empfangen werden. Nach Einbruch der Dunkelheit wurde aus Heusweiler ganz Europa versorgt.

Ende 2015 wurden die Sendeanlagen abgeschaltet. In den letzten Jahren vor der Abschaltung wurde auf 1422 kHz der Deutschlandfunk ausgestrahlt. Die Sendeleistung war zum Schluss schon deutlich reduziert und betrug 400 kW. Auf Wikipedia gibt es einen informativen Artikel zu diesem Thema. Dort wird auch erklärt was ein Schwimmbad und ein Gitternetz über der A8 mit Mittelwelle zu tun haben. Ich selbst habe die Europawelle Saar in den 1980ern ganz gerne gehört. Dank des starken Signals konnte ich den Sender mit jedem Radio empfangen.

Abschaltung analoges Kabelfernsehen

Ich bin zwangsverkabelt. Bedeutet: der Preis für den Kabelanschluss ist im Mietpreis inklusive. Keine Ahnung welches Paket ich nutzen könnte, die Kabel-Dose ist unbenutzt. Für Radio und TV nutze ich seit Jahren DVB-S, aktuell zaubert mir eine 80 cm-Schüssel mehr als 4700 Dienste auf den Bildschirm (13°, 19,2°, 23,5°, 28,2° Ost). Natürlich ist mindestens die Hälfte davon verschlüsselt, die Nerds unter Euch können ja mal auflisten welche Programme ich per Kabel empfangen könnte die es via DVB-S nicht gibt. In der vorletzten Woche erreichte mich dieses Schreiben:
Abschaltung analoges KabelfernsehenMeine Region ist nicht die erste und auch nicht die letzte die abgeschaltet wird. Durch die Abschaltung verschwinden analoge TV- und Radiosignale. Über die Radiosignale bin ich gar nicht mal so böse, stören Kabellecks doch zu Hause und unterwegs immer mal wieder den terrestrischen Empfang. „Schluss aus Mickey Mouse“ könnte ich schreiben. Zuvor möchte ich aber noch in ein Erinnerungen schwelgen.

Es muss so um Ende 1986 gewesen sein. Mitarbeiter der Deutschen Bundespost klingelten seinerzeit an der elterlichen Haustür und boten Programmvielfalt via Kabel an. Meiner Eltern lehnten dies ab, vermutlich hatten sie Angst vor der Zerstörung des Vorgartens. Ich brodelte innerlich, weil ich meinen im Rahmen eines Ausflugs nach Frankfurt entdeckten Lieblingssender HR3 nicht hören konnte. Im Kabel wäre er zumindest in Mono zu hören gewesen. Auf Nachfrage kam dann die „Drei Programme reichen. Du kannst auch im Wald spielen“-Leier. Aus heutiger Sicht eine gute Entscheidung, mit knapp 14 war ich sehr weit oben auf der Palme. Glücklicherweise hatten die Eltern eines Freundes neu gebaut und keinen Bock auf Antennengedöhns. Daher haben sie sich Kabel quer durchs Haus legen lassen. Der Freund musste damals die „hr3 Clubnight“ auf Cassette aufnehmen, die Erotikfilme auf NED 2 haben wir seinerzeit zusammen geschaut (via VHS-Cassette, die Aufnahmen waren in irgendwelchen Dokus versteckt falls die Cassetten kontrolliert wurden). Mit etwas Frickelei konnte ich zu der Zeit zu Hause fünf Programme empfangen (neben NDR auch WDR), bei Überreichweiten waren es acht (NED 1-3). Im Kabelnetz Osnabrück gab es um 1991 folgende Sender:

Radio
87,60 DLF
87,95 NDR 1
88,75 NDR 2
89,80 NDR 3
90,15 HR 1
90,85 HR 2
91,70 HR 3
92,70 Sachsen-Anhalt
93,05 Radio Aktuell
93,35 Berliner Rundfunk
94,70 DLS
95,80 NL Radio 2
96,10 NL Radio 4
96,65 NL Radio 3
97,65 Star Sat
98,15 RTL
99,30 Klassik Radio
99,75 ffn
100,70 WDR 1
101,00 WDR 2
101,80 WDR 3
102,25 WDR 4
103,15 RB 1
104,45 RB 3
105,25 RB 2
105,65 RB 4

Fernsehen
K2 ARD NDR
K4 ZDF
S4 RB1/Infotafel
K5 Sportkanal
K6 N3
K7 MTV
K8 West 3
K9 Sat 1
K10 3sat
K11 ARD 1plus
K12 RTL plus
S5 NED 3
S7 NED 1
S8 NED2/Lifestlye
S9 DFF
S10 ARD WDR
S11 Bayern 3
S12 Tele 5
S13 Pro 7
S14 Eurosport
S15 Super Channel
S16 TV5
S17 Premiere
S18 TRT International
1988 bekam ich zu Weihnachten einen JVC-Tuner (aus heutiger Sicht Schrottempfänger aber wir hatten ja nix) und ich durfte mich an die elterliche 3 Elemete-Yagi klemmen. Mit dieser Kombination konnte ich neben HR3 auch Bremen 4, RSH, Radio Hamburg und – für manche Hausarbeit interessant – Radiosender aus der DDR empfangen. Die Qualität war dabei egal. 1991 – in der Zwischenzeit verdiente ich mein eigenes Geld – habe ich mich dann für eine Sat-Antenne entschieden. Die zwei anderen Parteien im Haus (Eltern und deren Mieter) haben sich dann beteiligt. 32 TV-Programme ohne Kabel…. wow…

2018 wird das analoge Kabel abgeschaltet. Dieses Geschäftsmodell ist meiner Meinung nach längst überholt. Sollte jemand von dieser Abschaltung betroffen sein und bei der Recherche auf diesen Blog-Eintrag stoßen:

KAUF DIR EINE MOTHERFUC**N SAT-ANTENNE!!!!111ELF!!

2011 habe ich meine ersten DVB-S-Schritte via einer unauffälligen Flachantenne gemacht. So eine Antenne lässt sich wunderbar tarnen falls Vermieter & Co. diese eigentlich nicht zulassen. Meine aktuelle Anlage existiert eigentlich auch nicht, da ich keine Antenne nutzen darf. In den nächsten Wochen verfasse ich mal einen Eintrag zu meiner aktuellen Anlage.

Gibts es noch Personen die analoges Kabel nutzen? Jasichadas! Habe ich in meiner alten Wohnung zumindest beim Radio auch gemacht. Mittlerweile besteht mein stationärer Radiokonsum aus etwa 20% UKW, 20% DVB-S, 80% Livestreams. Würde ich meine Geräte an das analoge Kabel hängen, könnte ich folgende Programme genießen:

87,95 NDR 1 Niedersachsen
88,40 Deutschlandfunk
88,70 NDR 2
89,40 NDR Kultur
90,45 hr1
90,85 NDR Info
91,70 hr3
92,15 Deutschlandfunk Kultur
93,05 WDR 5
93,35 MDR JUMP
93,70 WDR 3
95,80 Radio 21
96,10 Antenne Niedersachsen
97,65 os radio 104,8
98,20 RTL
99,30 Klassik Radio
99,60 radio ffn
100,70 1LIVE
101,35 Radio Horeb
102,20 WDR 2
103,15 Bremen Eins
103,55 WDR 4
104,50 COSMO
105,25 Bremen Zwei
106,25 N-Joy
106,55 Bremen Vier

Keine Sender aus den Niederlanden, kein Bremen NEXT, kein Radio RST, kein BFBS. Buuuuh!!!! Die Geisterausstrahlung von Radio 38 auf 107,35 wird verschwiegen. Und im TV:
S06 HSE24
S07 RTL
S08 SAT.1
S09 arte
S10 sport1
E05 Das Erste
E06 ZDF
E07 NDR Fernsehen
E08 VOX
E09 euronews (21:05 bis 6:00) / KiKa (6:00 bis 21:05)
E10 3sat
E11 WELT
E12 Phoenix
S11 ProSieben
S12 RTL II
S13 kabel eins
S14 Super RTL
S15 Tele 5
S16 ntv
S17 Comedy Central (14:00 bis 2:00) / VIVA (2:00 bis 14:00)
S18 Nick
S19 DMAX (20:00 bis 6:00) / 1-2-3.tv (6:00 bis 20:00)
S20 CNN International
S21 Anixe
S22 Channel 21
S23 Disney Channel
S35 QVC
E21 Eurosport 1
E22 NITRO
E23 Bibel TV

Mit der weiter oben beschriebenen Antenne empfange ich mehr als doppelt so viele FTA-Programme als via Kabel. Bei einem schwarzen Analog-Bildschirm empfehle ich tasächlich den Umstieg zu Sat-TV. Der Kabelanschluß eignet sich übrigens sehr gut für das Internet, ich nutze KDG/VF seit etwa 2012 ohne große Probleme.

Luistercijfers Juli-August 2018

Sommerzeit in den Niederlanden, viele “Stamm-DJs” befinden sich im Urlaub oder sind schon auf Tauchstation vor ihrem neuem Job bei einem anderen Sender. Daher sollte man die aktuellen Zahlen nicht allzu wichtig zu bewerten:

01. Radio 538: 11.5 % (12.0 %)
02. NPO Radio 2: 10.6 % (11.5 %)
03. Qmusic: 9.4 % (9.3 %)
04. Sky Radio: 9.0 % (9.2 %)
05. Radio 10: 8.8 % (8.1 %)
06. NPO Radio 1: 8.3 % (8.1 %)
07. NPO Radio 5: 4.2 % (4.3 %)
08. 100% NL: 3.7 % (3.6 %)
09. Radio Veronica: 3.3 % (3.3 %)
10. NPO 3FM: 2.6 % (2.9 %)
11. NPO Radio 4: 2.1 % (2.1 %)
12. SLAM!: 1.4 % (1.5 %)
13. Classic FM: 1.3 % (1.4 %)
14. BNR Nieuwsradio: 0.8 % (0.8 %)
15. Sublime: 0.6 % (0.7 %)
[Quelle: radiofreak.nl]
Auffällig sind die Zahlen von Radio 10. Blättert man ein Jahr zurück sieht man, dass der Sender mehr als 2% hinzu gewonnen hat. Der Wechsel von Gerard Ekdom zu Radio 10 wird sich in etwa zwei Monaten in den Luistercijfers wiederspiegeln. Bis dahin ist also noch Zeit. Dramatisch finde ich die Zahlen von NPO 3FM. Der Sender befindet sich unter 3% und verliert ab Mitte Oktober mit Michel Veenstra das so ziemlich letzte Urgestein (wohin Veenstra wechselt ist noch nicht bekannt, ich hoffe NPO Radio 2 und befürchte Radio 10) und befindet sich in den Sommermonaten – trotz Festivals – im freien Fall.

ma 2018 IP Audio III

Quartalsweise werden Zugriffszahlen auf Livestreams ausgewählter Radiosender veröffentlicht. Ausgewählt bedeutet in diesem Fall, dass sich die Sender an dieser Untersuchung beteiligen und einer Veröffentlichung ihrer Zahlen zustimmen. Ähnlich wie auch bei der “alten Media-Analyse” ist der Kuchen ziemlich fest aufgeteilt, im Vergleich zur ma 2018 IP Audio I gibt es kaum Veränderungen:

01. SWR3 Livestream: 7.318.412 (8.075.293)
02. 1LIVE: 6.838.384 (7.309.090)
03. ANTENNE BAYERN: 6.701.833 (7.159.457)
04. WDR 2: 5.914.052 (6.297.926)
05. NDR 2: 5.588.266 (5.826.828)
06. Deutschlandfunk: 4.153.916 (4.731.234)
07. BAYERN 3: 3.363.640 (3.776.096)
08. BAYERN 1: 3.094.932 (3.429.275)
09. HIT RADIO FFH: 2.877.098 (3.057.350)
10. ROCK ANTENNE: 2.715.792 (2.762.597)
11. RADIO PALOMA: 2.711.135 (2.648.843)
12. WDR 4: 2.489.898 (2.658.562)
13. N-JOY: 2.307.702 (2.420.119)
14. NDR 1 Niedersachsen: 1.979.685 (2.086.331)
15. SWR1 BW: 1.902.964 (2.195.554)
16. hr3: 1.788.275 (1.769.201)
17. radioeins: 1.744.996
18. radio ffn: 1.716.416 (1.746.225)
19. sunshine live: 1.540.575 (1.309.487)
20. bigFM Deutschlands biggste Beats: 1.466.316 (1.481.568)

Bremen Next verzeichnet 234.451 Sessions (228.939 in der IP Audio II), die niedersächsischen Lokalsender schneiden wie folgt ab:

Radio Nordseewelle: 134.647 (117.647)
Radio Hannover: 101.971 (102.371)
Radio 38: 63.770 (42.342)

Die anderen Lokalsender verstecken sich ihren Werbekombis.
Der Streamingdienst Spotify kommt übrigens auf 105.858.094 Sessions (100.587.032 bei der letzten ma IP Audio). Alle Zahlen gibt es auf der Webseite der RMS. Mittlerweile beteiligen sich 938 Kanäle an dieser Untersuchung. Im März 2014 waren es lediglich 150.

Während sich viele selbsternannte Experten beim terrestrischen Radio darüber streiten welcher Empfangsweg der bessere ist (UKW oder DAB+) profitieren die Livestreams u.a. durch Smart Speaker wie Alexa. Warum der Hörer trotzdem bei den großen Platzhirschen hängenbleibt, ist mir bis heute ein Rätsel. Vielleicht ist es die nahezu unbegrenzte Auswahl, die den Hörer in die Arme der vertrauten Sender treibt.