Operation Selfsat

Analoges Kabelfernsehen nervt – zumindest in Osnabrück. 32 TV-Sender in zum Teil sehr mieser Qualität (darunter auch so Highlights wie Channel21 und HSE24) und 29 Radiosender (worunter sich seit etwa vier Jahren kein Niederländer mehr befindet, da zaubert mir ein entsprechender Empfänger wesentlich mehr mehr aus dem Äther). Kein Wunder, warum ich Radio eigentlich fast ausschliesslich über das Internet höre. Vor einigen Jahren hatte ich schon die Idee, eine Satellitenanlage zu beschaffen um so zumindest mehr Programmauswahl zu haben. „Aber Du guckst doch eh kaum Fernsehen“ hiess es dann meisten von der besseren Hälfte. „Ja, ich gucke kein TV weil mich Castingshows, Soaps und angebliche Real-Life-Formate undnicht interessieren. Und viele Dokus in NDR und WDR kenne ich bereits.“ In jahrelanger Kleinarbeit habe ich dann Mitbewohnerin und Vermieter klargemacht, dass eine Sat-Antenne viiiiel besser ist als Kabelfernsehen. Einmalige Anschaffungskosten, ich bau das Zeug selbst auf und pflege es (und rufe nicht den Vermieter weil im Keller ein Stecker aus dem Hausverstärker gefallen ist), eine Sat-Anlage hat eigentlich nur Vorteile.

Irgendwann konnte der Vermieter nicht mehr „Nein“ sagen und irgendwann hatte ich auch die bessere Hälfte vom Sat-TV überzeugt. „Aber das sieht doch scheisse aus.“ Naja, ich finde ich kleine Sat-Antenne spannender als manche Pflanze, die beim ersten Nachtfrost über die Wupper geht. Auf der anderen Seite fotografiere ich auch Sendemasten. Okay, ich bin halt nicht normal. Neulich hat mich ein Freund auf die Antennen von Selfsat hingewiesen. Die sind zwar etwas teurer als vergleichbare Schüsseln, die bessere Hälfte warf aber gleich Worte wie „neckisch“ und „stört das Gesamtbild nicht“ in den Raum. Bingo, bestellllöööööhn.

Also schnell den Onlinehandel meines Vertrauens besucht und zwei Tage später klingelte der Postebote:

SelfsatDie Antenne selbst war in einem handlichen Karton untergebracht…

SelfsatSelfsat… und auch der Inhalt war sehr übersichtlich:

SelfsatEin paar Schrauben, Halterungen und Stangen zur Befestigung, die Antenne selbst natürlich, ein kleiner Kompass und eine Anleitung, auf die ich später noch zurück komme. Also schnell die Halterung an das Balkongelände gedonnert (die Plastikantenne ist relativ leicht)…

Selfsat… den Elevationswinkel aus der Anleitung anhand der Anleitung grob eingestellt…

Selfsat… versucht den Azimut einzustellen…

Selfsat… passt und wackelt nicht.

SelfsatDas Kabel zur Antenne hatte ich bereits bei der letzten Renoveriung verlegt. Nachdem alles nach besten Wissen und Gewissen zusammengebaut und ausgerichtet war, habe ich den Fernseher mit integriertem DVB-S-Tuner eingeschaltet und wollte die Sender einlesen. “Keine Daten gefunden”. Nochmal raus, mit dem Kompass versucht die blöden 166° einzustellen… ohne Erfolg. Okay, das Kabel hat ne Macke. Also schnell eine Direktleitung gelegt, an den Fernseher gestöpselt

Selfsat… nada. Ich habe dann einfach mal frei Schnauze an der Antenne gedreht und beim fünften Versuch wurden plötzlich 92 Dienste eingelesen. Juhuuuu, es tut sich was. Bei der Gelegenheit habe ich dann festgestellt, dass der Fernsehr keine kyrillischen Zeichen unterstützt. Ich war bei Intelsat 12 auf 45° Ost gelandet. Das hat mir mein Fernseher zumindest noch verraten. Gleichzeitig konnte ich feststellen, dass das im Rahmen der Renovierung verlegte Kabel wenigstens noch funktioniert.

Nach etwa drei Stunden und etwa siebenmaligem Einlesen des britischen Astra auf 28,2° hatte ich dann endlich die Astra-Familie auf 19,2° gefunden. Meine Fresse sieht HD geil aus. Und ich kann nun endlich alle WDR-Regionalfenster gucken (muhahaha). Bisher habe ichs noch nicht geschafft alle Sender (vor allem die Radiosender) zu sortieren, vielleicht gibts ja eine Möglichkeit den Senderspeicher auf einen PC zu exportieren und die Sortierung dort vorzunehmen. Ansonsten kann ich nun endlich wieder Musikfernsehen gucken (so wie früher), ich habe die Auswahl aus sehr vielen Radiosendern und das Zappen dauert etwas länger. Und ich kann nun wieder bei irgendwelchen Dokus über alte Militärflughäfen in Nordostbrandenburg hängenbleiben.

Der Kabelanschluss bleibst vorerst. Die bessere Hälfte möchte abwarten, wie sich die Sat-Antenne im Winter und bei Starkregen verhält. Ich werde demnach auch beim dicksten Schneetreiben auf den Balkon stapfen und den Handfeger schwingen. Looift! Was aber nicht looift ist die Anleitung inklusive des kleinen Kompasses. Abgesehen von vielen Tippfehlern (Google kann halt nicht Alles) scheint sich die Anleitung auf viel Halbwissen zu berufen. Mithilfe diverser GPS-Apps auf meinem Handy und einem Blick auf die Schüsseln in der Nachbarschaft konnte ich den richtigen Azimut entwickeln. Laut Hersteller kann ich bei dieser Ausrichtung gleichzeitig die Hotbird-Familie auf 13° Ost empfangen. Auch das stimmt nicht. Schade…

4 Gedanken zu „Operation Selfsat

  1. Sieht gut aus, hat was, gefällt mir. Kabel Deutschland? *totlach* Ich habe kabel noch nie vermisst. Ich war mit Sat immer mein eigener “Entscheidungsträger”. Niemand hat mir diktiert, was ich empfangen kann und was nicht.

  2. Ich bin mir zwar nicht ganz so sicher, ob ich das Ding in eckig nun soooo viel besser finde als in rund…, aber schön, dass es geklappt hat!
    Und dass du direkt dran kommst und mit einem Handfeger den Schnee entfernen kannst, ist ein großer Vorteil und bei heftigem Regen könnte ja sogar deine bessere Hälfte einen Regenschirm drüber halten, damit du weiter gucken kannst… und natürlich auch umgekehrt. Sehr praktisch…..!

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